„Es widert mich an“: CDU und SPD empört über AfD-Parteitagsdatum
Die Pläne der AfD für ihren Bundesparteitag Anfang Juli in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt stoßen in CDU und SPD sowie bei Historikern auf massive Kritik. Der Termin am 4. und 5. Juli liegt genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Reichsparteitag, der 1926 in Weimar stattfand.
„Die bewusst gewählte Parallele zeigt wieder einmal, wessen Geistes Kind die AfD ist“, sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler, dem „Kölner Stadtanzeiger“.
„Die AfD weiß genau, was sie tut. Es widert mich an, wie wenig Anstand und Respekt diese Partei vor unserer Geschichte hat. Meine Güte, für wie dumm halten die uns alle eigentlich!“, sagte die CDU-Politikerin.
Historiker: „Fatale Parallele“
Der frühere SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sagte in Anspielung auf eine frühere Aussage von Parteigründer Alexander Gauland: „Dieses Parteitagsdatum reiht sich ein in die Behauptung, der Nationalsozialismus sei ein ‚Vogelschiss in der deutschen Geschichte‘ gewesen.“ Erneut nutze die AfD gezielte Provokationen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Ein historischer Zufall, „den man achselzuckend zur Kenntnis nehmen kann“, sei die Wahl des Datums sicher nicht. Wer ein solches Datum wähle, „müsse sich der historischen Tragweite bewusst sein und wissen, welche Assoziationen es weckt“, sagte der Bundestagsabgeordnete.
Auch der Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung an der TU Dresden, Jörg Ganzenmüller, sprach von „einem bewussten symbolischen Akt, der auf mehreren Ebenen wirkt“. Zum einen sende die AfD damit ein Signal der Verbundenheit an die rechtsextreme Szene, der die Geschichte der NSDAP geläufig ist.
„Zum anderen wahrt sie in der Öffentlichkeit die Fassade der Bürgerlichkeit, indem sie sich ahnungslos gibt und die historische Bedeutung herunterspielt. Damit bleibt sie zugleich für andere Wähler anschlussfähig“, sagte der Wissenschaftler.
Besorgt äußerte sich in mehreren Medien auch der Historiker Stephan Zänker, Vorsitzender des Vereins Weimarer Republik. Er nannte die Termin- und Ortswahl der AfD im „Kölner Stadt-Anzeiger“ ebenfalls eine „fatale Parallele“.
AfD widerspricht Kritik
Der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Stefan Möller wies die Kritik zurück. „Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Wer wegen des Parteitags der AfD in Erfurt fatale Parallelen zu einem NSDAP-Parteitag in Weimar vor 100 Jahren ausmacht, ist offenkundig nur an einer zwanghaften Instrumentalisierung der Geschichte interessiert“, sagte er der Zeitung.
Die NSDAP traf sich am 3. und 4. Juli 1926 in Weimar zum ersten Parteitag nach ihrer Neugründung. Dabei wurde unter anderem die Hitlerjugend gegründet. Der NSDAP-Parteitag gilt als wichtiges Datum für den Aufstieg der Nationalsozialisten.
Bewusst war damals der Gründungsort der Weimarer Republik für die Veranstaltung ausgewählt worden. Adolf Hitler und seine Anhänger zogen damals demonstrativ in das Nationaltheater in Weimar ein, wo sieben Jahre zuvor die von der NSDAP bekämpfte Verfassung der Weimarer Republik beschlossen worden war.
AFP · DPA rw- AfD
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