Bundesaußenminister Johann Wadephul hat in ungewöhnlich scharfen Worten auf den Nachweis einer Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny vor zwei Jahren reagiert. Der CDU-Politiker sagte in einem Interview mit dem Nachrichtensender WELT bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC): „Das russische Regime zeigt nochmal seine schreckliche Fratze. Wir haben jetzt eine hohe naturwissenschaftliche Wahrscheinlichkeit dafür, dass es eine Vergiftung gewesen ist.“

Dies sei „natürlich eine schreckliche Nachricht“, so der Minister. „Es zeigt, dass Putin sich um Fragen der Menschlichkeit, aber auch um rechtliche Fragen, wie das Chemiewaffenverbot, nicht kümmert.“

Der vor zwei Jahren in einem russischen Straflager gestorbene Kremlkritiker ist Analysen zufolge mit einem starken Nervengift getötet worden. Wadephul und seine Amtskolleginnen und -kollegen aus Frankreich, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden hatten Moskau auf der MSC gemeinsam dafür verantwortlich gemacht. Die anwesende Witwe Julia Nawalnaja sagte am Rande der Konferenz, nun habe man den Beweis, dass Kremlchef Wladimir Putin ein Mörder sei.

Der deutsche Außenminister sagte im Gespräch mit WELT über Putin: „Das zeigt, dass er nicht nur bereit ist, einen völkerrechtswidrigen Krieg in der Ukraine zu führen, insbesondere die Bevölkerung dort zu attackieren, sondern dass er auch seinen schlimmsten Feind nicht nur rechtswidrig ins Gefängnis wirft, sondern auch umbringt. Und das muss Folgen haben.“

Wadephul forderte im WELT-Gespräch, dass die Organisation, die sich um das Verbot von Chemiewaffen kümmert, sich damit befasst: „Das heißt: Wir müssen unsere regelbasierte Ordnung hier auch verteidigen und alle Mittel zur Anwendung bringen.“

Den Analysen zufolge sollen Nawalnys sterbliche Überreste Epibaditin enthalten haben, ein besonders starkes Nervengift, wie Wadephul zuvor gemeinsam mit seinen Amtskollegen vor einem kleinen Kreis von Journalisten erklärt hatte. Die Wirkung des im Hautdrüsensekret von Baumsteigerfröschen in Ecuador, sogenannten Pfeilgiftfröschen, vorkommenden Giftes sei 200 Mal so stark wie Morphium.

„Es lähmt die Atemmuskulatur, die Opfer ersticken qualvoll“, sagte Wadephul. Zunächst blieb offen, wann, wo und wie konkret die Analysen durchgeführt worden waren.

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