Handwerkskammer fordert Mutterschutz für selbstständige Unternehmerinnen
- Selbstständige mit Kindern müssen nach der Geburt oft improvisieren. Viele können sich einen finanziellen Ausfall nicht leisten.
- Anders als Festangestellte sind Selbstständige nicht vom Mutterschutz gedeckt.
- Die Handwerkskammer will erreichen, dass Selbstständigkeit und Kinderwunsch besser kombiniert werden können.
Die 34-jährige Frieda Kebbel liebt ihren Beruf. Als sie sich vor vier Jahren mit einer Freundin mit einer Buchbinderei in Pirna selbstständig gemacht hat, wusste sie allerdings auch, dass sie sich ein Kind in ihrem Leben gut vorstellen kann.
Selbstständige müssen nach der Geburt oft improvisieren
Dann ging alles ganz schnell. Tochter Pina wurde geboren – und in Kebbels lebhaftem Unternehmensalltag und in der Buchbindewerkstatt wurde Platz für sie gemacht. Kebbels beschreibt: "Wir haben von der Decke herunter einen großen Weidewäschekorb gehängt und dort ein Lammfell rein und dann hat da Pina so die erste Zeit viel drin gelegen. Da war ein Mobile mit drüber."
Was wildromantisch klinge, sei rund um die Geburt nicht nur schön gewesen, gibt die Unternehmerin zu: "Es war auf jeden Fall eine harte Zeit. Das hätte ich mir irgendwie anders gewünscht, sagen wir es mal so. Eigentlich ist es ja was Wunderschönes, ein Kind zu bekommen und dann mit den Sorgen da zu stehen, ist ein bisschen heftig."
Nur Festangestellte unterliegen dem Mutterschutz
Und Frieda Kebbel fragt sich, wie es Familien organisieren, die nicht wie sie Unterstützung durch die Familie bekommen. Dass es für selbstständige Frauen im Handwerk keine finanzielle Absicherung rund um den Geburtstermin gibt, kritisiert Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden.
Anders als Festangestellte unterliegen Unternehmerinnen nicht dem Mutterschutz. Daher kann es finanziell herausfordernd sein, vor und nach der Geburt eines Kindes das Unternehmen ruhen zu lassen: "Das ist natürlich eine extreme Benachteiligung von Frauen, die den Weg in die Selbstständigkeit gewählt haben gegenüber abhängig beschäftigten Frauen."
Handwerkskammer: Beruf und Familie müssen besser vereinbar werden
Jährlich befinden sich 27.000 Frauen in der Situation, in der auch Frida Kebbel vor zwei Jahren war. Das sei offensichtlich keine Minderheit, betont Andreas Brzezinski: "Das ist ja ein ganz wichtiger Kern unserer Gesellschaft. Wir wollen mehr Kinder, wir wollen, dass wir auch Nachwuchs haben, das wir eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben und das müssen wir letzten Endes auch für Selbstständige erreichen."
Brzezinski weiß, dass sich Frauen in manchen Fällen schon zwischen der Übernahme eines Handwerksbetriebs und einem Familienwunsch entscheiden mussten – so könne man der Wirtschaft und den Fachkräftemangel kaum begegnen.
Vorschlag: Finanzierte Betreuung nach der Geburt
Buchbinderin Frida Kebbel aus Pirna hat nach ihrer Erfahrung eine Idee, was Unternehmerinnen rund um die Geburt ideal dabei unterstützen würde, ein Neugeborenes und das Unternehmen unter einen Hut zu bekommen: "Wenn man eine Betreuung in der Zeit finanziert bekommen könnte, also eine Person, die sich mit um das Kind kümmern kann."
Da es diese Form der Unterstützung bisher noch nicht gibt, zögern sie und ihr Partner noch bei der Entscheidung für ein weiteres Kind.
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