Die Zahl der Angriffe auf Bundespolizisten ist erneut deutlich gestiegen. Im Jahr 2025 wurden demnach 1960 Attacken auf Beamte der Bundesbehörde registriert. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums (BMI) auf eine schriftliche Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten und stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden, Sebastian Münzenmaier, hervor. Die Antwort liegt WELT exklusiv vor.

Damit setzt sich der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fort. 2022 verzeichnete die Bundespolizei 1604 Angriffe, 2023 waren es 1708, 2024 bereits 1792 Attacken. Die Zahlen stammen aus der Polizeilichen Eingangsstatistik. Das Innenministerium weist darauf hin, dass es durch Nachmeldungen oder Korrekturen noch zu geringfügigen Änderungen in der Statistik kommen kann.

Acht Attacken auf Bahn-Mitarbeiter pro Tag

Auch außerhalb der Polizei nimmt die Gewalt gegen Sicherheitskräfte zu. Nach Angaben der Deutschen Bahn kam es 2025 zu mehr als 3000 Angriffen auf Bahnbedienstete, im Schnitt sind das also rund acht pro Tag. Besonders häufig betroffen seien Mitarbeiter im Regionalverkehr sowie Sicherheits- und Servicekräfte. Trotz Videoüberwachung, Sicherheitsteams und dem Einsatz von Bodycams bleibe das Risiko hoch.

Erst vor einigen Tagen wurde in einem Regionalexpress im Kreis Kaiserslautern der 36-jährige Zugbegleiter Serkan C. bei einer Fahrkartenkontrolle von einem 26-jährigen Griechen ohne gültigen Fahrschein angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Nach vorläufigen Erkenntnissen erlitt C. eine Hirnblutung infolge schwerer Gewalt gegen den Kopf. Er starb Anfang dieser Woche im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen und sitzt wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Totschlags in Untersuchungshaft. Der Vorfall hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst und die Debatte über den Schutz von Beschäftigten im Bahnverkehr neu entfacht.

Für die Sicherheit in Zügen und auf Bahnhöfen ist neben den Sicherheitsdiensten der Bahn die Bundespolizei zuständig. Sie überwacht bundesweit rund 5700 Bahnhöfe und 33.500 Streckenkilometer, in Notfällen greift auch die Landespolizei ein. Die Deutsche Bahn setzt zunehmend auf präventive Maßnahmen wie Deeskalationstrainings, Videoüberwachung und Bodycams. Derzeit sind bundesweit etwa rund 1400 Bodycams für Zugbegleiter im Einsatz.

Neben der wachsenden Gewalt sieht sich die Bundespolizei auch mit einer zunehmenden Arbeitsbelastung konfrontiert. Zum 31. Dezember 2025 belief sich der Überstundenberg auf 2.860.488 Stunden. Ende 2023 lag er noch bei 2.112.360 Stunden, ein Jahr später bei 2.458.482 Stunden. Die Zahlen ergeben sich aus den Salden aller Arbeitszeitkonten, einschließlich Mehrarbeit nach Beamtenrecht, teilte das Innenministerium mit.

Der AfD-Fraktionsvize Sebastian Münzenmaier sprach angesichts der Zahlen zu den Überstunden und registrierten Angriffen von „alarmierenden Entwicklungen“. Wer Polizisten angreife oder verletze, müsse „die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen“. „Der Staat kann sich in diesem Punkt keinen Autoritätsverlust leisten“, sagte Münzenmaier WELT. Der Überstundenberg, den die Bundespolizei angehäuft habe, gefährde die Einsatzbereitschaft und die Gesundheit der Beamten. Es drohe die Überlastung, so der AfD Politiker. Die Beamten seien „pausenlos“ an Grenzen und Bahnhöfen im Einsatz.

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