Der britische Energieunternehmer Greg Jackson übt scharfe Kritik an der europäischen Energiepolitik. Im Podcast „Klima-Labor“ von „ntv“ warf er Regierungen vor, die Energiewende so zu gestalten, „als würde man wollen, dass sie scheitert“. Zwar steige der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix – in Deutschland zuletzt auf knapp 56 Prozent –, doch die Fokussierung auf den Stromsektor greife zu kurz. Entscheidend sei die Elektrifizierung von Verkehr, Industrie und Wärme, da Strom nur rund ein Viertel des gesamten Energieverbrauchs ausmache.

Jackson argumentiert, erneuerbare Energien könnten Strompreise senken, würden in Europa aber falsch eingesetzt. Etablierte Akteure bauten neue Anlagen an ungünstigen Standorten, was teure Netzausbauten nötig mache. Zudem werde vorhandene Flexibilität – etwa durch Batterien, Elektroautos oder steuerbare Verbraucher – kaum genutzt. In Großbritannien führten flexible Verbraucher bereits zu deutlich niedrigeren Preisen als Reservekraftwerke, sagt Jackson. In Europa hingegen dominierten laut ihm Lobbyinteressen der fossilen und traditionellen Energiewirtschaft die politische Agenda.

Mit Blick auf politische Entscheidungsprozesse zeigt sich Jackson skeptisch gegenüber demokratischen Zyklen. Große, langfristige Weichenstellungen seien zuletzt vor allem in Staaten ohne regelmäßige Wahlen erfolgt. China habe früh auf Elektromobilität gesetzt und stelle heute einen Großteil der weltweiten Erneuerbaren-Technologie her. Auch im Nahen Osten beobachtet Jackson einen Strategiewechsel: Länder wie Saudi-Arabien investierten massiv in saubere Energiekapazitäten für den Eigenbedarf, während Öl und Gas exportiert würden. Der Ansatz orientiere sich am norwegischen Modell und sichere langfristig günstige Energie.

Für Europa und insbesondere Deutschland sieht Jackson Reformbedarf im Strommarkt. Erneuerbare Energien benötigten eine dynamischere Preisgestaltung als das fossile System. Ohne Marktumbau werde der Ausbau teuer und ineffizient. In Deutschland verhinderten mächtige Lobbygruppen Veränderungen, indem sie mit Arbeitsplatzverlusten oder Versorgungsrisiken drohten. Das führe zu Kompromissen, die den Strukturwandel verzögerten.

Rechnungshof: EU droht Engpass bei Rohstoffen für Energiewende

Doch der Ausbau erneuerbarer Energien stößt nach Einschätzung der EU-Kontrollbehörde an eine weitere Grenze. Nach Einschätzung des Europäischen Rechnungshofs hat die EU Schwierigkeiten, ihre Versorgung mit wichtigen Rohstoffen für die Energiewende zu sichern. Die Union sei weiterhin stark von wenigen Lieferländern abhängig, während Produktion und Recycling innerhalb Europas kaum vorankämen, hieß es in einem am Montag in Luxemburg veröffentlichten Prüfbericht. Damit drohten Engpässe bei technischen Komponenten, die bei der Erzeugung erneuerbarer Energien nötig sind, etwa Batterien, Windräder oder Solaranlagen.

Betroffen sind demnach unter anderem Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und Seltene Erden. Viele dieser Rohstoffe stammten bislang fast ausschließlich aus Ländern außerhalb der EU wie China, der Türkei oder Chile. Zwar habe die EU 2024 eine Verordnung zu kritischen Rohstoffen beschlossen, um die Abhängigkeit zu verringern. Darin enthalten sind unverbindliche Ziele bis 2030. Die bis dahin angestrebte sichere Rohstoffversorgung hält der Rechnungshof für unwahrscheinlich.

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