Trump will Europa mit Zöllen erpressen, um Grönland zu bekommen. Es ist eine neue Art der Zeitenwende. Nun kommt es auf uns an. Europa muss einig sein, koste es, was es wolle.

Die eine Sichtweise auf das Drama, das sich von Washington über Grönland bis nach Europa entfaltet, ist: Wir stehen am Abgrund. Ein irrlichternder US-Präsident Trump, an dessen Geisteszustand, man muss es offen sagen, gezweifelt werden darf, will unbedingt das Territorium der USA vergrößern, und sich dafür Grönland einverleiben. Zuerst war die Begründung, die dänische Insel werde von chinesischen und russischen Schiffen überrannt – was so absurd war, dass Trump eine weitere Begründung nachschob: Die USA bräuchten Grönland für den Aufbau ihres Raketenabwehrschirms "Golden Dome".

Auch das stimmt natürlich nicht, denn nach einem Vertrag von 1951 können die USA im Prinzip schon jetzt alles auf Grönland stationieren, was sie nur wollen. Zuletzt bemühte sich Trump schon gar nicht mehr groß um Begründungen und klang eher wie ein kleines Kind, das etwas einfach haben will. Es ist nicht auszuschließen, so bizarr ist die Lage, dass ein wesentlicher Grund für Trumps Begehren ist, dass er durch die Mercator-Landkartenprojektion geblendet ist, die Grönland viel größer darstellt, als es in Realität ist.

Es stellt sich natürlich auch die Frage, warum die konservativen Eliten in den USA das bis auf ein paar Hinterbänkler alles hinnehmen, die üblichen Verdächtigen wie die Senatoren Thom Tillis oder Lisa Murkowski, ja vielleicht ist das sogar die entscheidende Frage, denn größenwahnsinnige Menschen wie Trump gab es ja schon immer, und wird es immer geben – man darf ihnen eben nur keine Macht geben.

Einem Erpresser darf man nicht nachgeben, auch wenn er Trump heißt

Die andere Sicht auf dieses Drama aber ist: Jetzt ist die Stunde Europas. Jetzt müssen wir uns zusammenraufen. Jetzt müssen wir zu Dänemark und Grönland stehen, auch wenn uns die Insel, weit entfernt im kalten Norden, bislang kaum geschert hat. Jetzt müssen wir einig sein – auch wenn wir, jedes Land auf seine Art und Weise, dadurch Schaden erleiden könnte.

Einem Erpresser darf man nicht nachgeben.

Erste Zeichen, dass sich der Kontinent zusammenrauft, die gibt es. Wichtige europäische Staatsführer wie Emmanuel Macron haben die Drohung rasch und direkt zurückgewiesen. "Keine Einschüchterung oder Drohung wird uns beeinflussen." Auch Schwedens Premier Ulf Kristersson schrieb gleich: "Wir lassen uns nicht erpressen."  (Der deutsche Bundeskanzler Merz, der Europa ja eigentlich anführen will, hüllt sich noch in verklausulierte Floskeln.)

Das Europäische Parlament, das eigentlich am kommenden Mittwoch das Handelsabkommen mit den USA absegnen sollte, wird das nun nicht tun. Dabei war dieses Abkommen an sich schon ein Geschenk an die USA, denn Europa nahm darin 15 Prozent Zölle hin, ohne selbst welche zu erheben.

Und auch die europäische Militärmission nach Grönland, rasch aufgegleist, gibt Mut. Denn so klein sie war, so symbolisch war sie eben aber auch, ein Zeichen: bis hierher und nicht weiter.

Europa ist in vielen Bereichen noch viel zu abhängig von den USA. Das fängt bei der Kommunikation mit Handys und deren Apps an, und hört bei den auch in Deutschland stationierten US-Atomwaffen auf. Wie schwierig es ist, sich gerade aus den Tentakeln der US-Techgiganten zu befreien, merkt gerade Dänemark, dessen Medienkonzerne sich zusammenschlossen haben und so versuchen, der Übermacht von Google und Meta etwas entgegenzusetzen – und dabei häufig gar nicht erst angehört werden.

Es ist eine neue Art der Zeitenwende

Aber es ist eben alternativlos. Trump versucht, einen Keil zwischen die europäischen Staaten zu treiben, in dem er Zölle auf Produkte einzelner Länder erheben will, auf die anderer nicht – was rechtlich im übrigen eine große Herausforderung wäre, denn die EU ist eine Zollunion. Europa darf den Klassenraudi des transatlantischen Bündnisses, so muss man Trump tatsächlich nennen, nicht gewähren lassen. 

Als Trump China im vergangenen Jahr Woche für Woche mit höheren Zöllen überzog, ließen sich dessen Politiker davon nicht beirren, antworten mit Gegenzöllen zum Beispiel auf die Einfuhr amerikanischer Soja-Produkte. Inzwischen sind Trumps Zölle längst wieder abgeräumt. Und auch ein geeintes Europa hat Instrumente, sich der amerikanischen Übermacht zu erwehren, gerade im Wettbewerbsrecht, gerade, was die Tech-Konzerne angeht.

Wir erleben gerade eine neue Art der Zeitenwende, und es liegt in unserer Hand, wie wir daraus hervorgehen. Geeint. Oder als politischer Trümmerhaufen.

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