Experte Mölling zu Grönland-Konflikt: "Dann ist die Nato tot"
Im Streit um die Zukunft Grönlands warnt der Verteidigungsexperte Christian Mölling vor einer gefährlichen Eskalation – und vor weitreichenden Folgen für die transatlantische Sicherheitsordnung. Komme es dort zu einer Konfrontation zwischen den USA und dem Rest der Nato, bedeute dies das Ende des Bündnisses.
"Dann ist die Nato tatsächlich tot", sagt Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think-Tank European Policy Center im stern-Podcast "Die Lage – International". Das Bündnis lebe von Solidarität – und vom militärischen Beitrag der USA.
Trump ist die Nato egal
Das Auseinanderbrechen der Nato wäre nach Ansicht des Experten für Europa viel gravierender als für die USA: "Trump hat schon zu erkennen gegeben, dass ihm das Ende der Nato gar nicht so wahnsinnig wichtig ist. Das stört ihn dann im Zweifelsfall nicht."

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Trump gelinge es, die Situation zu bestimmen, indem er die Europäer im Unklaren lasse, wie weit er mit Blick auf Grönland zu gehen bereit ist. "Wir wissen nicht, ob er das ernst meint, dass er Grönland sozusagen einverleiben will, oder ob das sein typisches Vorgehen ist: maximalen Druck erzeugen", so Mölling. Diese Unsicherheit mache Trumps Vorgehen so effektiv – und so gefährlich.
Bundeswehr in Grönland? "Hektischer Aktivismus"
Die Entscheidung von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), 13 Bundeswehrangehörige auf eine Erkundungsmission nach Grönland zu schicken, hält Mölling für "hektischen Aktivismus". Zwar gehe es bei der aktuellen Bundeswehrmission zunächst um praktische Fragen wie Seeraumüberwachung – und damit auch um mehr Sicherheit vor der Küste Grönlands, wie sie Trump immer wieder gefordert hatte. Doch mehr als Symbolik werde dieser Einsatz nicht entfalten.
Das Verteidigungsministerium hatte am Mittwochabend bekannt gegeben, 13 Bundeswehrangehörige nach Grönland schicken zu wollen. Ziel sei es, "die Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region zu erkunden, beispielsweise für Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung".
Verwirrung um den Flug der Bundeswehr
Kurzzeitig gab es dann noch Verwirrung um die Entsendung. Aus dem Verteidigungsministerium hieß es zunächst, die Soldaten sollten am Donnerstag mit einem Transportflugzeug des Typs A400M direkt in die grönländische Hauptstadt Nuuk fliegen. Am Donnerstagvormittag teilte das Ministerium dann überraschend mit, die Soldaten würden erst nach Dänemark fliegen. "Wir nutzen das Angebot der Dänen, mit dem dänischen Erkundungsteam und weiteren Partnern am Freitag gemeinsam nach Grönland zu fliegen." Dies solle mit einem zivilen Flugzeug geschehen: "Aus unserer Sicht ist der gemeinsame Flug ein starkes Zeichen unserer Geschlossenheit."
Offiziell begründet die Bundeswehr die Mission mit "russischen und chinesischen Bedrohungen in der Arktis".

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Der eigentliche Hintergrund sind aber die wiederholten Äußerungen von Donald Trump, Grönland annektieren zu wollen.
Die USA unterhalten auf der Insel bereits jetzt einen Luftwaffenstützpunkt. Von Grönland aus hat man Einfluss auf die arktischen See- und Luftrouten. Die USA konkurrieren dabei mit Russland und China, die beide ebenfalls versuchen, ihren Einfluss im arktischen Raum auszudehnen.
Europäer "werden sich nicht auflehnen"
Sollte es zwischen den USA und Dänemark zu einer direkten Konfrontation kommen, rechnet der Sicherheitsexperte Mölling nicht mit einer militärischen Reaktion Europas: "Ich glaube, die Europäer werden nichts machen. Die werden sich nicht zumindest militärisch gegen die USA auflehnen." Aber auch, wenn die Europäer tatenlos der Annexion Grönlands zusehen würden, das autonom ist, aber zu Dänemark gehört, würde dies das Aus für das Nato-Bündnis bedeuten.
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