Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat ⁠zu einem „Jahr des Aufbruchs“ für Deutschland und Europa aufgerufen. „Die regelbasierte Weltordnung zerfällt gerade im Zeitraffer, wir sind inmitten einer multiplen Zeitenwende“, sagte Sewing am Montagabend bei dem Hauptstadtempfang ‍seines Instituts in Berlin laut Redetext.

„Die Herausforderungen für Deutschland und Europa sind gigantisch und werden immer drängender.“ Er nannte den US-Militäreinsatz in Venezuela zu Jahresbeginn. Deutschland und Europa müssten aktiver werden, um geopolitisch und ökonomisch relevant zu bleiben. „Lassen Sie uns 2026 gemeinsam zum Jahr des Aufbruchs machen“, forderte Sewing.

„Wir machen uns kleiner, als wir sind“

Die USA unter Präsident Donald Trump verfolgten mit ihrer „America First“-Politik entschlossen ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen, während China eine parallele Ordnung mit eigenen Lieferketten aufbaue, sagte der Manager. „Washington und Peking denken in eigenen ⁠Kategorien – ohne Rücksicht auf europäische Befindlichkeiten.“ Die USA beschränkten den ⁠Zugang zu High-Tech-Chips, während China den Export seltener Erden limitiere. Europa sei zwar nicht beteiligt, spüre die Folgen aber deutlich – etwa die Automobilindustrie, die ohne Seltene Erden kaum auskomme.

„Wir hingegen machen uns kleiner, als wir sind. Europa hat an vielen Stellen die Mittel, um diesem Handelskrieg etwas entgegenzusetzen“, sagte Sewing. „Auch wir haben Technologien, auf die niemand verzichten kann.“ Diese müsse man konsequenter einsetzen. „Denn nur wer Stärke zeigen kann, wird in der neuen Weltordnung ernst genommen.“

Es sei wichtig, dass Europa zusammenrücke, sagte Sewing. „Deutschland als stärkste Volkswirtschaft muss hier Führung übernehmen.“ ‍Ohne tiefgreifende Reformen riskiere Deutschland, dass das Potenzialwachstum bis Ende des Jahrzehnts auf ‍Null sinke, was den Beginn einer strukturellen Stagnation bedeuten würde. Dazu gehöre konsequenter Bürokratieabbau – in Berlin und Brüssel - sowie mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt.

Entscheidend sei auch eine nachhaltige Reform der Sozialsysteme, insbesondere der Rente. ⁠Nötig seien ebenfalls möglichst zügige steuerliche Entlastungen für Unternehmen und eine gezielte Investitionsoffensive – in Infrastruktur, Verteidigung und Technologie. Als entscheidenden Hebel für eine erfolgreiche Zukunft bezeichnete Sewing eine Stärkung Europas durch die Vollendung des Binnen- und Kapitalmarktes.

„Schlecht für die Welt ist, wenn sich Europa und die USA auseinanderdividieren“

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bezeichnete ‍sich derweil in Washington als „sehr transatlantisch“. ⁠Deutschland tue alles, um im ‌Dialog mit seinen amerikanischen Partnern zu ‌bleiben. Die Gespräche würden jedoch zunehmend schwieriger ‌und die Differenzen größer, sagte der SPD-Chef in der US-Hauptstadt, wo er am Treffen der G7-Finanzminister teilnimmt. „Aber ich glaube, dass das schlecht für die Welt ist, wenn sich Europa und die USA auseinanderdividieren“, betonte Klingbeil. „Und ‍deswegen ⁠bin ich hier, um ein klares Signal zu senden: Wir wollen die Kooperation, wir wollen die Zusammenarbeit.“

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