In Minneapolis hat ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE eine 37-jährige Frau erschossen. Ob die Schüsse ungerechtfertigterweise erfolgten oder aus Notwehr, ist Gegenstand von Ermittlungen und einer heftigen politischen Debatte.

Bei der getöteten Fahrerin handelt es sich nach Angaben der Stadt Minneapolis um Renee Nicole Good, eine Bürgerin der Stadt. Die demokratische Senatorin Tina Smith aus Minnesota schrieb auf X, sie sei eine US-Staatsbürgerin gewesen. Laut Polizei soll es sich um eine weiße Frau handeln. Sie stand nach Polizeiangaben nicht im Fokus von Ermittlungen.

Die Schüsse fielen in Minneapolis im Bereich der East 34th Street und Portland Avenue. Dort kam es nach Angaben von „CBS News“ seit Stunden zu Zusammenstößen zwischen Bundes- und lokalen Strafverfolgungsbehörden und Demonstranten gegen Razzien gegen illegale Einwanderer.

Von der Tat kursierten bereits kurz nach dem Vorfall Videos aus verschiedenen Perspektiven im Internet. Auf einem Video ist zu sehen, wie zunächst ein Honda-SUV teilweise eine Straße blockiert – offenbar um den Einsatz der ICE-Beamten zu behindern. Die Fahrerin rollt dann langsam vorwärts, bevor sie anhält, um ein anderes Auto passieren zu lassen. Anschließend gestikuliert sie bei heruntergelassenem Fenster in Richtung eines herannahenden Pick-ups, dass dieser ebenfalls passieren solle.

Dieser hält jedoch an, zwei maskierte Männer steigen aus und nähern sich ihrem Fahrzeug. „Get out of the car. Get out of the fucking car“, sagt einer der Männer. Während er nach dem Türgriff greift, setzt die SUV-Fahrerin kurz zurück. Ein dritter Mann, unmaskiert, tritt, von der Beifahrerseite kommend, an das Auto heran und steht auf Höhe des linken Kotflügels vor dem Auto.

Dann fährt die Frau wieder an und schlägt die Räder nach rechts ein, offenbar in dem Versuch, von den Beamten wegzufahren, die links von ihr stehen. Der nahe am ‍Kotflügel stehende Beamte zieht seine Waffe, tritt zurück und schießt. Er gibt offenbar drei Schüsse ab, davon mindestens ‍einen, nachdem das Auto ihn bereits passiert hat.

Ob das Auto den Beamten berührte, geht aus dem Video nicht klar hervor. Der Beamte stürzt oder strauchelt aber nicht, sondern bleibt aufrecht stehen und geht nach Abgabe der Schüsse weiter.

Die Urheberin dieses Videos ist auf der Aufnahme ebenfalls zu hören. „No“, ruft sie mehrfach. Die ICE-Beamten beschimpft sie sowohl kurz vor, als auch nach den Schüssen als „Schande“, was nahelegt, dass es sich bei ihr um eine Demonstrantin oder Aktivistin gegen Einsätze der US-Einwanderungsbehörde handelt.

Auf einem weiteren Video, mutmaßlich von einem Anwohner aus seinem Haus aufgenommen, sind die Schüsse, die der Beamte abgibt, ebenfalls zu sehen und zu hören. Nach den Schüssen beschleunigt ⁠der Wagen und prallt gegen geparkte Autos und einen Mast.

Augenzeugin: „Absolut keine Gefahr für diese Beamten“

Eine Anwohnerin und Augenzeugin sagte dem Radiosender „Minnesota Public Radio“, dass die Frau „absolut keine Gefahr für diese Beamten darstellte“. Sie sei von einem Spaziergang mit ihrem Hund nach Hause gekommen, als sie in der Portland Avenue, dem Ort des Vorfalls, Hupen und Pfeifen gehört habe. Dann habe sie gesehen, wie Beamte das Fahrzeug umstellten.

„Ich hatte den Eindruck, dass sie versuchte, ihr Fahrzeug auf der Portland Avenue nach Süden zu bewegen, um sich aus dem Geschehen herauszuhalten“, sagte sie über die Fahrerin. Der Beamte habe die Fahrerin angeschrien, und als sie das SUV beschleunigte, mehrere Schüsse abgegeben. Nachbarn hätten der Fahrerin nach dem Vorfall helfen wollen, seien daran aber von den Beamten gehindert worden.

Der Polizeichef von Minneapolis, Brian O'Hara, erklärte, dass die Frau mit ihrem Fahrzeug die Fahrbahn blockiert habe. Dann habe sich ihr ein Bundesbeamter zu Fuß genähert, woraufhin das Auto wegzufahren begonnen habe. „Mindestens zwei Schüsse wurden abgegeben. Daraufhin prallte das Fahrzeug am Straßenrand gegen ein Hindernis.“ Der Frau sei in den Kopf geschossen worden, sagte er.

„Ich denke, jede professionelle Strafverfolgungsbehörde im Land würde Ihnen sagen, dass es natürlich sehr besorgniserregend ist, wenn auf ein Fahrzeug geschossen wird, in dem sich eine unbewaffnete Person befindet“, sagte O'Hara, fügte jedoch hinzu, dass er nicht alle Umstände der Schießerei kenne und dass solche Maßnahmen in manchen Fällen gerechtfertigt seien.

Nach Darstellung des US-Heimatschutzministeriums und der zuständigen Ministerin Kristi Noem, der die Einwanderungsbehörde ICE unterstellt ist, handelten die Beamten aus Notwehr. Seit Anfang Dezember sind Bundesbeamte im im Rahmen der „Operation Metro Surge“ im Großraum Minneapolis-St. Paul unterwegs. Nach Angaben der Regierung sind 2000 Beamte daran beteiligt, bis zu 1000 Festnahmen seien bereits erfolgt.

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