Nach dem Stromausfall im Berliner Südwesten sorgt das Angebot von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD), Betroffenen Hotelzimmer zum Preis ab 70 Euro pro Nacht zur Verfügung zu stellen, für Unmut. In sozialen Netzwerken kritisieren Nutzer, dass es keine kostenfreie Hilfe gibt. „Nicht jeder Steglitz-Zehlendorfer wird 70 Euro pro Nacht mal eben aus der Portokasse bezahlen können“, schreibt eine Nutzerin auf LinkedIn. Andere sprechen von einem „schlechten Witz“ oder fordern, dass die Stadt die Kosten vollständig übernimmt.

Die Aktion mit dem Titel „Berliner Hotels für Berliner“ wurde angesichts der Lage von der Berliner Tourismusagentur VisitBerlin zusammen mit rund 200 Partnerhotels ins Leben gerufen. Betroffene können Hotelzimmer zum Sonderpreis ab 70 Euro pro Doppelzimmer inklusive Frühstück buchen. Die sogenannte City Tax wird vom Land Berlin nicht erhoben. Buchungen sind direkt über die teilnehmenden Hotels mit dem Stichwort „Stromausfall“ möglich. Die Regelung gilt bis zur vollständigen Wiederherstellung der Stromversorgung.

Wirtschafts- und Energiesenatorin Franziska Giffey (SPD) lobte die Aktion ausgiebig als Zeichen der Solidarität: „Menschen aus 35.000 Haushalten im Südwesten unserer Stadt sind in Not, und die Hotels bieten mit diesem Special Offer ihre Zimmer zum Selbstkostenpreis an.“ Der Verzicht auf die Übernachtungssteuer sei Teil dieses Engagements. „Das zeugt vom großen Zusammenhalt und der Solidarität, die die Berlinerinnen und Berliner in schwierigen Zeiten immer wieder aufbringen. Danke (...) für diese tolle Aktion“, jubelte sie.

Die Stadt hatte nach dem Vorfall zunächst Notunterkünfte eingerichtet, diese waren jedoch vielerorts schnell voll. Das Hotelangebot soll eine zusätzliche Option für Betroffene bieten.

„Für Geflüchtete übernimmt der Staat die Hotelkosten“

In den sozialen Medien überwiegen die kritischen Töne. Mehrere Stimmen fordern eine kostenlose Unterbringung, insbesondere für ältere Menschen, Familien mit Kindern oder einkommensschwache Haushalte. Verwiesen wird dabei auf andere Krisensituationen, in denen die öffentliche Hand die Kosten für Unterkünfte vollständig übernommen habe. „70 Euro aus eigener Tasche zahlen? Für andere werden Hotels kostenfrei zur Verfügung gestellt“, heißt es in einem Kommentar auf Instagram. Ein anderer merkt an, dass er auf Hotelplattformen viel günstigere Angebote finde. Auch der Hinweis auf den Wegfall der City Tax wird als „scheinheilige Geste“ kritisiert.

Immer wieder wird auch der Eindruck geäußert, das Angebot richte sich nur an Menschen mit ausreichend finanziellen Mitteln. „Nicht euer Ernst, 70 Euro pro Nacht. Was hat das mit Solidarität zu tun?“, schreibt eine Nutzerin. Eine andere fragt: „Wie sollen Familien mit mehreren Kindern oder Rentner das bezahlen?“ Auch Vergleiche mit anderen Gruppen werden gezogen: „Für Geflüchtete übernimmt der Staat die Hotelkosten – warum nicht auch hier?“

Einer zeigte auch die Ausgaben für Migranten auf. Die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen sind in den vergangenen Jahren in Berlin stark angestiegen. 2020 zahlte das Land 312 Millionen Euro für die Bereitstellung der Unterkünfte, 2024 waren es 883 Millionen Euro.

Erst vor Kurzem hatte Berlins Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe angekündigt, bei Bedarf zusätzliche Hotelunterkünfte für Geflüchtete anzumieten. Derzeit stünden 3300 Plätze in etwa 20 Hostels zur Verfügung, davon sind 3100 belegt. Kiziltepe hatte allerdings betont, dass sie Containerunterkünfte bevorzuge – nicht zuletzt aus Kostengründen: Ein Hostelplatz koste, so sagte sie, im Schnitt rund 60 Euro pro Tag.

Ein anderer rechnet das Angebot durch: „Ich sehe das eher als Werbeaktion der Hotels und finde es wirklich verwerflich, daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln.“ Der Verzicht auf die City Tax werde überhöht dargestellt: „Ganz ehrlich: Wahnsinn – die City Tax beträgt 7,5 Prozent des Nettoentgelts ohne Nebenkosten. Bei 80 Euro sind das sage und schreibe 6 Euro. Wahnsinn! Da können sich die sozial Schwachen ja wirklich freuen.“ Er rechnet durch: Übernachtung ab Montag bis einschließlich Donnerstag: 3 mal 70 Euro sind 210 Euro. „Wie viel bekommen Sozialhilfeempfänger noch mal?“, fragt er. Auch für ihn persönlich sei das keine Selbstverständlichkeit: „Selbst bei meinem Gehalt müsste ich mir das wohl überlegen.“

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