In einem Interview mit dem „Spiegel“ spricht die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang über politischen Machtverlust, Angst in der Politik – und über einen sehr persönlichen Umgang mit ihrem Körper.

„Lange wollte ich mich gar nicht erst mit meinem Gewicht beschäftigen und habe mir eingeredet, das wäre unfeministisch“, sagt Lang. Heute gehe es ihr körperlich und gesundheitlich sehr gut. „Jetzt fühle ich mich wohler mit meinem Körper, bin gesünder, fitter. Das erleichtert den Alltag.“ Spekulationen, sie habe beim Abnehmen zu einer Spritze gegriffen, weist sie zurück: „Ich finde es vollkommen okay, wenn andere solche Mittel nutzen. Dafür muss sich niemand schämen. Ich selbst habe sie nicht genutzt.“

Der körperliche Wandel sei Teil einer größeren Veränderung ihres Lebensstils. „Ich arbeite nicht merklich weniger, aber selbstbestimmter und konzentrierter. Und, klar, ich achte mehr darauf, was ich esse“, sagt die 31-Jährige. Sie schaue weniger auf ihr Handy und fokussiere sich stärker auf das, was sie gerade tue. Auch Bewegung spiele eine Rolle – wenngleich mit Selbstironie: Das Laufband in ihrem Büro führe „ein trauriges Schattendasein“.

„Wie redest du da eigentlich?“

Politisch beschreibt Lang ihren Rücktritt vom Parteivorsitz Ende 2024 als Bruch. „Als Parteivorsitzende habe ich viel Zeit darauf verwendet, zu beweisen, wer ich nicht bin. Darüber habe ich leider ein wenig vergessen, wer ich bin“, sagt sie. Rückblickend übt Lang Selbstkritik an ihrem früheren Auftreten. Sie habe sich selbst im Fernsehen zugehört und gedacht: „Wie redest du da eigentlich? Das bist ja gar nicht du!“ Aus Angst habe sie zu Floskeln gegriffen und Unsicherheit überspielt. „Je größer die inhaltliche Leere dann ist, desto mehr muss sie überspielt werden“, sagt Lang. „Aus Substanz wird deren Simulation.“

Diese Angst sei in der Politik weit verbreitet. „Politik ist derzeit irre angstgetrieben“, sagt Lang. Die ständige Sorge um Schlagzeilen, soziale Medien und parteiinterne Reaktionen mache das Sprechen „krampfiger“. Ihre Konsequenz daraus lautet: „Befreien wir uns von der Angst!“ Anecken sei weniger schlimm, „als man denkt“.

Auch ihr Auftreten in sozialen Medien habe sich verändert. Humor und Offenheit seien bewusste Mittel geworden. „Authentizität ist mit Abstand das Wichtigste“, sagt Lang. Sie wolle Menschen erreichen, die sich sonst von Politik abwenden.

Obwohl ihre persönliche Beliebtheit gestiegen sei, profitierten die Grünen davon bislang kaum. Ihr Rücktritt sei ein Einschnitt gewesen, sagt Lang. „Einer Partei ist es kaum möglich, so einen Bruch zu erzeugen.“ Sie selbst habe ihre Freude an der Politik wiedergefunden, ein neues Spitzenamt strebe sie aber nicht an. „Ich werde immer ein politischer Mensch sein“, sagt Lang. „Aber auf die Berufspolitik bin ich nicht zwingend angewiesen. Das ist ein befreiendes Gefühl.“

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