Bulgarien führt als 21. Land den Euro ein – noch in der Nacht heben Bürger Bargeld ab
Mit Beginn des neuen Jahres hat Bulgarien den Lew durch den Euro ersetzt. Der Balkanstaat ist damit das 21. Land, in dem die Gemeinschaftswährung das offizielle Zahlungsmittel ist. Der Euro werde dem Tourismus helfen sowie bulgarischen Herstellern den Handel mit Europa und der Welt erleichtern, wie das bulgarische Finanzministerium und die Nationalbank BNB bereits zuvor erklärt hatten.
Auch für Urlauber wird vieles einfacher: Geldwechsel und zusätzliche Gebühren entfallen, Preise lassen sich einfacher vergleichen und Kartenzahlungen werden unkomplizierter. Der feste Umrechnungskurs liegt bei 1,95583 Lew pro Euro – exakt derselbe, zu dem einst die D-Mark in den Euro überging. Grund ist, dass Bulgarien nach dem Fall des Eisernen Vorhangs seinen Wechselkurs an die D-Mark koppelte, um die eigene Währung zu stabilisieren.
Etwa die Hälfte der Menschen in Bulgarien bezweifelt Umfragen zufolge, dass der Euro sie voranbringen wird. Die Sorge ist groß, dass mit der Währungsumstellung die Preise in dem Balkanland, das zu den ärmsten der EU zählt, steigen werden und der Euro sich wie in vielen anderen Ländern als „Teuro“ entpuppen wird. Und nicht wenige befürchten, dass Bulgarien einen Teil seiner Unabhängigkeit aufgeben muss.
Die Europäische Zentralbank (EZB) weist ihrerseits auf die vielen Vorteile einer Zugehörigkeit zur Eurozone hin. EZB-Präsidentin Christine Lagarde als Europas oberste Währungshüterin verspricht den Bulgaren vor allem zwei Dinge: Wohlstand und Sicherheit.
Staatschef kritisiert Ablauf der Entscheidung zur Euro-Einführung
Staatspräsident Rumen Radew bemängelte in seiner Neujahrsansprache, dass es zur Euro-Einführung ein Referendum hätte geben sollen. „Doch die Regierenden wollten die Bürger nicht hören“, kritisierte Radew in seiner im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache. Ein entsprechender Antrag Radews war von der prowestlichen Parlamentsmehrheit abgelehnt worden. Derzeit hat das Land aufgrund einer Regierungskrise allerdings keine reguläre Regierung und kein Haushalt für 2026.
Sollte im neuen Jahr keine Partei in Sofia eine neue Regierung bilden wollen, wovon Politologen ausgehen, wird Staatspräsident Radew ein Übergangskabinett einsetzen müssen, das so lange im Amt bleibt, bis nach einer Neuwahl eine neue reguläre Regierung steht. Es wäre die achte Parlamentswahl binnen fünf Jahren.
Die Einführung des Euro galt als Hauptziel der im Dezember zurückgetretenen Regierung aus Konservativen, Sozialisten und Populisten. Diese politisch so unterschiedlichen Kräfte bildeten als Kompromisslösung eine ungewöhnliche Koalition, um nach sieben Parlamentswahlen eine Neuwahl zu vermeiden.
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