Merz in Frankreich: Hier bitte kein Beispiel nehmen. Die Lage am Morgen
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
kaum einen anderen dürfte Friedrich Merz dieser Tage so häufig sehen wie den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Vorgestern waren die beiden gemeinsam mit dem polnischen Amtskollegen in Moldau. Gestern hielt es der Kanzler nur wenige Stunden ohne den Franzosen aus: Nach einem kurzen Solo-Abstecher zur Marine in Kiel stand am Abend ein Treffen in Frankreich auf dem Programm. In der Sommerresidenz Brégançon waren die beiden zum Abendessen verabredet.
Trotz all der Differenzen, sei es bei gemeinsamen Rüstungsprojekten, gemeinsamen EU-Schulden, der Atomenerige: ein bisschen "Mercron" ist zurück. Das Wortspiel, das mit Merkel funktionierte, funktioniert nun auch mit Merz. Zwischendurch hatte Olaf Scholz die Seelen der deutsch-französisch-Bewegten strapaziert, der SPD-Kanzler stand nicht im Verdacht, sich sonderlich ausgiebig um das Verhältnis mit dem Nachbarland zu kümmern.

Am heutigen Freitag kommen "Mercron" mit einigen Mitgliedern ihrer Regierungen an der Mittelmeerküste zusammen. Bei den gemeinsamen Beratungen in Toulon soll es um Sicherheitsfragen und die Wirtschaftspolitik gehen. Im Vorfeld haben deutsche und französische Wirtschaftswissenschaftler die Regierungen zu einschneidenden Reformen aufgerufen. Angesichts eines schwachen Produktivitätswachstums in beiden Ländern sei es "an der Zeit zu handeln", zitiert der "Spiegel" aus dem Papier, Europa drohe in "einem veränderten geoökonomischen Umfeld ins Abseits zu geraten".
Kanzler Merz in Frankreich: Hier besser kein Beispiel nehmen
Für Deutschland empfehlen die Autoren, darunter die renommierten Institutsdirektoren Clemens Fuest und Moritz Schularick, unter anderem einen Anstieg des Renteneintrittsalters. In Frankreich sollten Maßnahmen ergriffen werden, die die Zahl der Arbeitsstunden erhöhen. Genau das versucht der französische Premier François Bayrou im Moment, er hat unter anderem angekündigt, zwei Feiertage streichen zu wollen.
An der Stelle aber sollten sich die Deutschen kein Beispiel an den Franzosen nehmen: Die nämlich gehen auf die Barrikaden, und haben große Proteste angekündigt. Bayrou kam dieser Drohung nun zuvor und will sich einer Vertrauensfrage in der Nationalversammlung stellen. Es sieht danach aus, dass er diese verlieren wird. Frankreich stolpert von Regierungskrise zu Regierungskrise – so wird es nichts mit den Reformen, die es so dringend braucht.
Schwangere Bauministerin: Kind und Karriere ist noch nicht normal
Bleiben wir noch einen Moment in Frankreich: Während dort als unangenehme "Helikoptermutter" gilt, wer als Frau für das Kind zuhause bleibt, ist die Sache hierzulande offenbar (noch immer) anders gelagert. Als "Rabenmutter" kann schnell gelten, wer Kinder haben und gleichzeitig Karriere machen möchte.
Gerade erlebt das Verena Hubertz, Bundesbauministerin. Die 37-Jährige hat ihre Schwangerschaft öffentlich gemacht und wird mit Hass konfrontiert. "Das arme Kind" werde wohl "nicht so viel von seiner Mutter mitbekommen", lautet einer der harmloseren Kommentare.
Muttersein und einen herausfordernden Beruf ausfüllen: Was längst normal sein sollte, ist es in Deutschland offensichtlich nicht. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel von Jacinda Ardern, der ehemaligen Ministerpräsidentin Neuseelands, die während ihrer Amtszeit Mutter wurde.
Anders als im Fall von Hubertz sei die Resonanz auf Arderns Schwangerschaft überwiegend positiv gewesen, schreibt Vivian Micks in ihrem Kommentar. Ardern, die damals gleich alt war wie Hubertz heute, sei für ihren Mut und ihr modernes Führungsverständnis gelobt worden. Na also, es geht doch.

Meinung Eine schwangere Ministerin? Das sollte endlich normal sein
Nach Panne: Was Sie statt Paypal nutzen könnten
Wer hierzulande per Paypal Geld verschicken oder darüber bezahlen wollte, konnte das am Mittwoch oftmals nicht. Schuld war eine Panne bei dem Online-Zahlungsdienstleister, offenbar der Ausfall einer Sicherheitsprüfung. Weil es zu Millionen von verdächtigen Abbuchungen gekommen sei, ließen deutsche Banken laut "Süddeutscher Zeitung" die Buchung von Paypal-Anfragen blockieren.
Verbraucherschutzpolitiker mehrerer Parteien fordern nun den Aufbau europäischer Alternativen zu dem amerikanischen Anbieter. "Der Ausfall bei Paypal macht deutlich, wie verletzlich unser Zahlungsverkehr ist, wenn zu wenige Anbieter den Markt prägen", sagte die CSU-Politikerin Susanne Hierl. Till Steffen von den Grünen riet Kundinnen und Kunden dazu, sich aktiv nach Alternativen umzusehen. Mit dem Dienst Wero gebe es bereits ein europäisches Zahlungssystem, das zum Beispiel in Frankreich und Belgien viel genutzt werde.

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Lisa Becke
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