In den ersten deutschen Wäldern entwickelt sich der Kirschlorbeer zur Plage
Er nützt Insekten so gut wie nichts und ist zudem auch noch giftig: Der immergrüne Kirschlorbeer ziert zwar viele Gärten und ist als Hecke sehr beliebt. Umweltschützern aber ist er eher ein Dorn im Auge. Jetzt macht er sich auch noch mancherorts in Wäldern breit.
Junge Kirschlorbeer-Pflanzen könnten Dickichte bilden und damit die Waldverjüngung behindern, sagt dazu der BUND Baden-Württemberg. „Vor allem in siedlungsnahen Wäldern ist er immer wieder zu finden“, wie eine Sprecherin sagt.
Das Landratsamt Rastatt warnte Anfang September, dass die Pflanze zunehmend zur ökologischen Plage werde und sich in den Wäldern des Landkreises mehr und mehr ausbreite. „Besonders an Waldrändern, in stadtnahen Gebieten sowie entlang von Wegen und Waldparkplätzen haben die Förster im Landkreis in den vergangenen Jahren eine besorgniserregende Zunahme dieser nicht heimischen Art festgestellt“, hieß es.
Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) ist ein immergrüner Strauch aus der Familie der Rosengewächse, der wegen seines dichten Wuchses häufig als Heckenpflanze genutzt wird. Ursprünglich stammt er aus Südosteuropa und Kleinasien. Charakteristisch sind seine großen, glänzenden Blätter sowie weiße Blütenstände und später schwarze Früchte.
Blätter und Samen enthalten sogenannte cyanogene Glycoside, aus denen beim Zerkauen giftige Blausäure freigesetzt werden kann. Zugleich gilt Kirschlorbeer ökologisch als vergleichsweise wenig wertvoll, weil heimische Insekten und Vögel von ihm meist weniger profitieren als von einheimischen Sträuchern.
Auch in den Karlsruher Wäldern macht Kirschlorbeer bereits große Probleme, wie die Stadt Karlsruhe im Juli berichtete. „Am besten wäre es, wenn die Menschen darauf verzichten würden, diesen Strauch in die Wälder einzubringen – das würde am meisten helfen“, sagt ein Sprecher von ForstBW.
Illegale Entsorgung bereitet Probleme
Die Pflanze finde beispielsweise Verbreitung durch Gartenabfälle oder Erdaushub, der einfach an den Waldrand gekippt werde, sagte Katrin Fritzsch vom Nabu-Naturschutzzentrum Federsee. Einen Austausch von Informationen mit anderen Landkreisen halte sie für sinnvoll.
Überhaupt spiele an Parkplätzen oder Waldrändern illegal abgelagerter Grünschnitt eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung eingeschleppter Arten, sagen die Experten. Im Ortenaukreis beispielsweise hat man laut dem Amt für Waldwirtschaft zwar auch ein Auge auf Kirschlorbeer, aber eher Ärger mit illegal abgelagerten Bambuspflanzen, die sich kraft ihrer Wurzelbildung vehement verbreiten können.
In der Schweiz ist die Anpflanzung von Kirschlorbeer bereits seit zwei Jahren untersagt. Auf der EU-Liste der invasiven Arten steht er laut dem Nabu-Bundesverband bislang nicht.
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