Dieses Unkraut ist in Wahrheit ein Superfood. So wirkt es
Hobbygärtner sind nicht nur zufriedene Menschen. Sie schimpfen auch. Zum Beispiel über zu wenig Regen, zu viel Regen, über Frost, Hagel und Unkraut. Damit meinen sie all jene Pflanzen, die sich einfach so im Garten breitmachen, als nutzlos erachtet und darum ausgerissen werden.
Ein solch unliebsames Kraut ist der Echte Portulak (Portulaca oleracea L.), auch Sommer- oder Gemüse-Portulak genannt. Er wächst flach auf dem Boden und tut das an den unwirtlichsten, trockensten Orten: auf den hart getrampelten Wegen zwischen den Gartenbeeten oder auf steinigem Untergrund am Straßenrand.
Dass ihm das gelingt, verdankt der Portulak seinen fleischigen Stängeln und Blättern, in denen er Wasser speichern kann – wie ein Kaktus. In diesem Text geht es nicht um den Winter-Portulak (Claytonia perfoliata), der mit dem Echten Portulak auch nicht verwandt ist.
Ursprünglich stammt der Echte Portulak vermutlich aus Asien. In der Antike und im Mittelalter wurde er genutzt, in der mediterranen Küche bis heute. Nördlich der Alpen geriet er jedoch zunehmend in Vergessenheit.
Portulak ist als Wildpflanze weitverbreitet. Umso überraschender ist es, dass er häufig als Unkraut verschmäht wird. Denn zum einen hat er eine angenehm knackige Konsistenz und einen säuerlich-nussigen Geschmack. Zum anderen enthält er gesunde Inhaltsstoffe wie Magnesium, Kalzium, Kalium, Eisen und Vitamin C – und vor allem: Omega-3-Fettsäuren.
Reich an solchen Säuren sind etwa Fische wie Makrele, Hering oder Lachs sowie Baumnuss-, Lein- oder Rapsöl. Unter den Blattgemüsen hat der Portulak den mit Abstand größten Gehalt an Omega‑3‑Fettsäuren.
Portulak (Portulaca oleracea) macht sich auch in den Fugen zwischen Pflastersteinen breitWegen seiner Nährstoffdichte gilt er als sogenanntes Superfood – und tatsächlich gibt es erste wissenschaftliche Hinweise auf gesundheitliche Effekte. Humanstudien zeigen vor allem, dass Portulak den Nüchternblutzucker und teilweise auch Blutfette wie Triglyceride und LDL-Cholesterin senken kann. Zudem gibt es Hinweise auf entzündungshemmende Wirkungen sowie mögliche Vorteile bei Fettleber und bestimmten Darmbeschwerden.
Die Aussagekraft ist jedoch begrenzt: Viele Studien sind klein und untersuchten konzentrierte Extrakte, Pulver oder Samen statt frischen Portulak. Ob übliche Mengen im Salat dieselben Effekte erzielen, ist bislang nicht ausreichend belegt.
„Die meisten sind begeistert und zugleich überrascht“
Den echten Portulak findet man kaum im Handel. Warum ist das so? Hört man sich in der Gemüsebranche um, werden als Gründe die sehr geringe Nachfrage und die fehlende Bekanntheit genannt.
Einer der wenigen Betriebe, die den Echten Portulak kultivieren – ihn also bewusst anbauen –, ist die Biogärtnerei Vivazzo in Fehraltorf in der Schweiz. „Wir kultivieren ihn schon seit über zwölf Jahren“, sagt Nathalie Kaufmann. In diesem Jahr hätten sie ihn zwar nicht angebaut, aber nächstes Jahr wieder.
Portulak lässt sich gut in einem Salat verarbeitenUnd wie reagieren die Kunden auf das spezielle Gemüse? „Die meisten sind begeistert und zugleich überrascht“, sagt Kaufmann. Der Grund sei die unerwartete Frische und Säure, die an Sauerampfer oder Sauerklee erinnere. Ob im eigenen Hofladen oder auf dem Wochenmarkt in Uster: „Wir geben Portulak manchmal zum Probieren mit.“ Denn viele Leute würden das Gemüse nicht kennen „und wissen nicht, was sie damit anfangen und wie sie es zubereiten sollen“.
Der Portulak schmeckt frisch in Salaten oder gedämpft als Gemüse oder Beilage zu Fisch und Fleisch. Sobald die Pflanze blüht, wird sie eher bitter und damit ungenießbar. Die geringe Bekanntheit ist vermutlich auch der Grund, warum Portulak nicht häufiger angebaut wird, sagt Nathalie Kaufmann weiter. „Es besteht das Risiko, dass ihn zu wenige Leute kaufen.“
Weil die Gärtnerei solches Gemüse nicht im großen Stil anbaut, sondern nur auf Zwischenflächen, hält sich das Absatzrisiko laut Kaufmann „in Grenzen“. Sie weist zudem darauf hin, dass Trends auch wieder abflachen können. Dass also zum Beispiel als Superfood vermarktetes Gemüse plötzlich wieder weniger nachgefragt wird.
Der echte Portulak ist wärmeliebend und deshalb empfindlich gegen Frost. Nach den gelben Blüten bilden sich kleine Kapseln mit schwarzen Samen darin. Diese fallen auf den Boden, in dem sie überwintern und im nächsten Frühling keimen.
Dieser Artikel erschien zuerst im Schweizer „Tages-Anzeiger“, wie WELT Mitglied der Leading European Newspaper Alliance (LENA).
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke