Was die Augen bereits Jahre im Voraus über die Herzgesundheit verraten
Wenn das Herz stolpert, für einen Moment aussetzt oder unruhig pocht, kann dies auf Vorhofflimmern hindeuten. In Deutschland sind etwa zwei Millionen Menschen von dieser Form der Herzrhythmusstörung betroffen.
Das Tückische am Vorhofflimmern ist, dass es sporadisch und in unerwarteten Momenten am Tag auftritt. Deshalb wird unregelmäßiges Herzklopfen beim Standard-EKG häufig übersehen. Das macht die Diagnose extrem schwierig und zieht dramatische Folgen nach sich: Denn unentdeckte Fälle erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall, Herzinsuffizienz und einen frühzeitigen Tod erheblich.
Forscher haben jetzt ein Warnzeichen entdeckt, das auf bevorstehendes Vorhofflimmern hinweist. Genauer gesagt deuten die Augen bereits vier Jahre vor der Diagnose auf Herzrhythmusstörungen hin.
Für die Studie untersuchten Wissenschaftler des University College London und des Moorfields Medical Centers die Augen von etwa 90.000 Menschen. Der Artikel wurde kürzlich im Fachmagazin „PLOS Digital Health“ veröffentlicht.
Und tatsächlich entdeckten sie Unterschiede in der Struktur der Netzhaut bei Menschen mit Vorhofflimmern im Vergleich zu gesunden Menschen.
Die Fotos der Netzhaut wiesen bei Personen mit Vorhofflimmern dünnere Makula-Ganglienzellen auf. Diese speziellen Nervenzellen sind für das scharfe und farbige Sehen wichtig.
Menschen, die an einer Herzrhythmusstörung litten, hatten zudem eine dünnere innere plexiforme Schicht (mGCIPL). Die mGCIPL ist eine Netzhautschicht im hinteren Augenabschnitt, die aus Nervenzellen besteht und das Auge mit dem Gehirn verbindet. Je dünner diese Schicht war, desto höher war die Wahrscheinlichkeit einer Vorhofflimmerdiagnose.
Bemerkenswerterweise wiesen Patienten, die zum Zeitpunkt der Netzhautbildgebung kein Vorhofflimmern hatten und später Vorhofflimmern entwickelten, im Durchschnitt vier Jahre vor der Krankenhauseinweisung dünnere mGCIPL-Schichten auf.
Netzhautveränderungen fungieren also als Frühwarnsystem. Sie zeigen Vorhofflimmern an, bevor Betroffene Symptome verspüren und eine Diagnose möglich ist.
Die Autoren vermuten, dass die Netzhautverdünnung auf Mini-Schlaganfälle im Gehirn hindeuten könnte, die als typische Folge von Vorhofflimmern gelten. Durch die Schlaganfälle werden die Netzhautnervenzellen nicht ausreichend durchblutet und verdünnen sich.
„Sollten sich unsere Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, legen sie die Möglichkeit nahe, dass routinemäßige Augenuntersuchungen künftig dazu beitragen könnten, Menschen zu identifizieren, die von einer genaueren kardiologischen Untersuchung profitieren würden“, wird Josef Huemer in einer Mitteilung zitiert. Er ist Hauptautor der Studie.
So sei eine frühere Behandlung möglich – mit Therapien, die bekanntermaßen das Schlaganfallrisiko verringern. Das Auge des Menschen könnte jedoch noch mehr über die eigene Gesundheit verraten. Im Zuge der Studie stieß das Team auf weitere Indikatoren, etwa für Parkinson, Alzheimer, Schizophrenie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle.
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