Nasa-Forscher drucken nährstoffreiche Kekse aus Plastik für ihre Astronauten
Einen Keks knabbern, der aus den Resten einer alten Getränkeflasche gebacken wurde? Der Gedanke mag erst einmal Unbehagen auslösen – und trotzdem hat ein Forschungsteam in den USA genau das möglich gemacht. An der Southern Illinois University in Carbondale (SIUC) ist es gelungen, aus Plastik- und Pflanzenabfällen essbare Häppchen zu kreieren. Die kleinen, scheibenförmigen Gebäckstücke tragen den Namen µBites, sprich „Microbites“.
Die Forscher werden ihre Ergebnisse auf der Herbsttagung der American Chemical Society präsentieren. Finanziert wurde die Arbeit über die Deep Space Food Challenge der NASA, einen Wettbewerb auf der Suche nach neuen Wegen, Astronautinnen und Astronauten auf langen Missionen zu versorgen.
Eine Reise zum Mars und zurück dauere rund drei Jahre, gibt Studienleiter und Associate Professor der SIUC, Lahiru Jayakody, zu bedenken. Wer so lange unterwegs ist, kann sich keine Verschwendung leisten – nicht einmal beim Abfall.
Dahinter steckt eine verblüffend simple Überlegung. „Plastik besteht im Kern aus Kohlenstoff, und Nahrung ebenfalls“, sagte Jayakody. Warum also nicht das eine in das andere überführen? Als Rohstoff dient Polyethylenterephthalat, besser bekannt als PET – das Material der klassischen Einweg-Wasserflasche.
Der Weg dorthin verläuft in mehreren Schritten. Zuerst wird das PET mit Wasser und Sauerstoff bei hoher Temperatur und großem Druck zersetzt. Übrig bleiben winzige, kohlenstoffreiche Molekülbruchstücke. Diese dienen anschließend eigens umprogrammierten Hefepilzen als Futter – unter ihnen findet sich sogar handelsübliche Backhefe.
Hafer oder Plastik? Das fragt man sich beim Anblick der Weltraum-KekseDass sich Mikroorganismen als lebende Miniaturfabriken einspannen lassen, ist längst erprobt. Insulin etwa stammt heute nicht mehr aus tierischen Bauchspeicheldrüsen, sondern wird von entsprechend präparierter Hefe produziert.
Nach demselben Muster bauen die Hefen die Plastikbausteine zu Proteinen, Fetten und anderen Nährstoffen um. Vermengt mit Ballaststoffen, Stärke und etwas Süße wandert die Masse zum Schluss durch einen 3D‑Drucker – heraus kommt ein eiweißreicher Keks.
Die Nasa plant, bereits in den 30er-Jahren erste bemannte Flüge zum Mars zu schickenAuch der Geschmack bleibt nicht dem Zufall überlassen. Ein Hefestamm zaubert aus Pflanzenresten Vanille-Aroma, ein anderer erzeugt aus einem PET-Baustein Beta-Carotin, das der Körper zu Vitamin A umwandelt. So soll aus reiner Notration ein Produkt werden, das auch dann mundet, wenn gerade kein Notfall herrscht.
Gegessen hat die µBites bislang niemand. Die Messdaten sprechen zwar dafür, dass die Kekse unbedenklich sind, doch für Verzehrtests am Menschen fehlt noch die offizielle Genehmigung. Beim Geruch immerhin sammeln sie schon jetzt Pluspunkte. Billig ist der Spaß allerdings nicht: Ein Kilogramm kostet in der Herstellung etwa 60 US‑Dollar. Leistungsfähigere Hefen und größere Mengen sollen den Preis allmählich senken.
Die Anwendungsideen reichen weit über den Weltraum hinaus. Denkbar wären die Kekse auch an Bord von U-Booten, in Katastrophengebieten oder dereinst in Siedlungen auf Mond und Mars. Und selbst irdisch sieht Jayakody Chancen: „Bis 2050 dürfte der globale Nahrungsbedarf um 35 bis 56 Prozent wachsen, während rund 30 Prozent der Menschen von Hunger bedroht sein könnten.“
Mikroben, so seine Überzeugung, könnten hier einen wichtigen Beitrag leisten – indem sie aus unserem Müll etwas Brauchbares machen. Bis Plastik-Kekse tatsächlich im Supermarktregal stehen, wird freilich noch Zeit vergehen. Die größte Hürde ist dabei womöglich weniger die Technik als die Gewöhnung: Der Gedanke, Nahrung aus Kunststoff zu essen, muss sich erst einmal setzen.
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