Ein Garten soll schön sein und wenig Arbeit machen. Das klingt nach einem Widerspruch in sich. Ist es aber nicht. Biogärtner und TV-Moderator Karl Ploberger erklärt, wie’s gehen kann. Kurz vor dem vereinbarten Termin für das telefonische Interview bittet er per SMS um 15 Minuten Aufschub. „Muss noch gießen“, schreibt er.

WELT AM SONNTAG: Herr Ploberger, wo erreichen wir Sie gerade?

Karl Ploberger: In meinem Garten in Seewalchen am Attersee. Vor 34 Jahren war hier nur Wiese. Keine Blume, kein Strauch, kein Baum. Jetzt ist es ein grünes Paradies, das derzeit sehr nach Wasser lechzt. In diesem Sommer ist es auch hier in Österreich extrem trocken.

WAMS: Sie haben Ihre Leidenschaft fürs Gärtnern zum Beruf gemacht?

Ploberger: Mit sechs Jahren hat es schon angefangen. Mein Vater war Tischlermeister und Bestatter. Und durch die Trauerfeiern hatte er Kontakt mit Gärtnereien. Ich habe ihn oft begleitet – und da hat es mich gepackt. Die ersten Blumen habe ich auf der Fensterbank gezogen. Als ich zwölf war, hatte ich mein erstes Gewächshaus. Auch später habe ich mich aufs Gärtnern konzentriert.

WAMS: Was ist der größte Fehler beim Gärtnern?

Ploberger: Zu erwarten, dass es schnell geht. Ein Garten braucht Zeit und die Chance, sich langsam zu entwickeln. Ein Garten ist immer gestaltete Natur, die ihr eigenes Tempo hat. Mein Rat: Sich nicht zu hohe Ansprüche setzen und die 3G-Regel befolgen: Geduld, Gelassenheit und Genuss. Und sich vor allem nicht daran orientieren, was die Nachbarn in ihrem Garten machen.

WAMS: Ihr Motto ist „Der Garten für intelligente Faule“. Wer es schlau anstellt, hat wenig Arbeit. Womit fängt es an?

Ploberger: Es beginnt mit dem Boden. Davon hängt alles ab. Wer nach dem Bau eines Hauses einen Garten neu anlegt oder einen bestehenden grundlegend umgestalten will, muss sich um den Boden kümmern: tiefgründig lockern und dann Komposterde oder Humus. Das liefert Nährstoffe für die Pflanzen und erhöht die Fähigkeit, Wasser zu speichern. Bei schweren, lehmigen Böden ist es wichtig, etwas Sand einzuarbeiten, damit es keine Staunässe gibt. Für mich die ideale Mischung: ein Drittel Mutterboden, ein Drittel Kompost und ein Drittel Quarzsand.

Der Gemüsegarten mit Gewächshaus

WAMS: Wie wichtig ist eine gute Planung?

Ploberger: Beim Hausbau wird an alles Mögliche gedacht, nur nicht an den Garten. Eine gute Planung spart aber später viel Arbeit. Manche Gärten werden zwei- oder dreimal angelegt, weil etwas falsch gemacht oder vergessen wurde. Also: Jeder in einer Familie sollte erklären, was er oder sie von einem Garten erwartet: Die Kinder wollen Fußball spielen, der Vater will grillen, die Mutter Kräuter ernten. Wer sich unsicher fühlt, sollte einen professionellen Gartenplaner beauftragen, alles unter einen Hut zu bringen. Unverzichtbar ist auf jeden Fall ein Speicher für Regenwasser. Der muss von Anfang an mitgeplant werden – als Zisterne im Boden oder als klassische Regentonne. Also daran denken, dass die Dachabläufe gesammelt werden können.

WAMS: Auch ein Umbau des Gartens muss sorgfältig geplant werden?

Ploberger: Unbedingt. Welche Stauden und Sträucher sollen bleiben? Was kann weg? Aber Vorsicht: Nicht vorschnell vermeintlich störende Bäume fällen. Alte Bäume im Garten sind der große Schatz.

WAMS: Weil sie Schatten spenden?

Ploberger: Früher hieß es immer: Bäume machen Laub – und damit Arbeit. Und ihr Schatten wurde eher als störend empfunden. Die Menschen wollten in der Sonne sitzen. Heute wissen wir den kühlenden Schatten viel mehr zu schätzen, gerade in einem heißen Sommer wie in diesem Jahr. Wer Bäume neu pflanzt, sollte den Standort so wählen, dass auch das Haus beschattet wird. Das kann bei großer Hitze die Temperatur in den Räumen erträglicher machen.

WAMS: Welche Bäume eignen sich?

Ploberger: Früher war die Walnuss ein beliebter Hausbaum, da sie sehr groß und stattlich wird und auch noch schmackhafte Nüsse liefert. Heute sind die Grundstücke für einen solchen Baum meist zu klein. Besser geeignet sind Kleinbäume oder Großsträucher. Mein Favorit ist die Gleditschie, die Hitze gut verträgt. Mit ihren fiedrigen Blättern wirft sie einen lichten Schatten, lässt also einige Sonnenstrahlen durch. Sie liefert ideales Licht für einen Sitzplatz. Gut geeignet für kleinere Gärten ist auch der Seidenbaum mit seinem schirmartigen Wuchs.

WAMS: Ist Rasen ein Muss?

Ploberger: Ich persönlich liebe die englische Gartenkultur, und da gehört ein Rasen dazu. In meinem Garten habe ich eine Fläche von etwa zehn Quadratmetern, die einem englischen Rasen sehr nahekommt. Aber ein solcher Rasen braucht ständig Wasser, und das ist ökologisch und auch ökonomisch ein Wahnsinn. Wenn die Sommer heißer und trockener werden, ist es de facto unmöglich, einen englischen Rasen zu haben.

WAMS: Was ist die Alternative?

Ploberger: Eine pflegeleichte Blumenwiese zum Beispiel. Ich mähe sie nur zweimal im Jahr mit der Akkusense, Ende Juni und im September. In diesem Jahr ist der Zuwachs wegen des Wetters so gering, dass ich noch gar nicht gemäht habe.

WAMS: Eine Blumenwiese anzulegen, erfordert schon einige Arbeit, oder?

Ploberger: Das ist in der Tat eines der schwierigsten Projekte im Garten. Die Wiesenblumen wachsen dann besonders gut, wenn der Boden mager und sandig ist, also das Gegenteil von dem, was ich anfangs empfohlen habe. Die Vorbereitungen für eine Blumenwiese können jetzt im Spätsommer beginnen, sobald es wieder etwas geregnet hat. Dann muss zunächst der vorhandene Rasen abgetragen werden, der sich übrigens sehr gut kompostieren lässt und einen hervorragenden Humus ergibt.

WAMS: Wie geht es dann weiter?

Ploberger: In die oberen 40 Zentimeter des Bodens muss Sand eingearbeitet werden – etwa 30 Prozent Rasenquarzsand. Im kommenden Frühjahr kann dann das entsprechende Saatgut ausgebracht werden – je nach Region gibt es an die jeweiligen klimatischen Bedingungen gut angepasste Mischungen. Die gibt es zum Beispiel bei örtlichen Vereinen, die sich um Wildpflanzen kümmern.

WAMS: Wie lässt sich verhindern, dass die Gräser sich doch wieder durchsetzen? Im Boden sind ja noch viele Grassamen vorhanden.

Ploberger: Es gibt eine Pflanze, die viele nicht kennen, den Klappertopf. Das ist ein Halbschmarotzer, der sich an die Wurzeln des Grases setzt. So lässt sich das Graswachstum um 50, 60 oder sogar 70 Prozent reduzieren. Mein Rat: Klappertopf säen, damit die Wiesenblumen die Chance haben, die Gräser zu überwuchern.

WAMS: Trennen Sie streng zwischen Ziergarten und Nutzgarten?

Ploberger: Beides sind Genussgärten – und zwar für alle Sinne. Fürs Auge gehört unbedingt ein Staudenbeet dazu. Da ist die Auswahl ja riesengroß – das muss jeder für sich entscheiden, welche Pflanzen und welche Farben ihm gefallen. Wichtig ist, den Standort zu beachten: pralle Sonne, Halbschatten oder Schatten. Für jeden Standort gibt es die passende Pflanze. Und dann einfach der Natur freie Bahn lassen. Bodendecker wie Storchschnabel oder Frauenmantel erobern sich jeden freien Fleck. Viele Pflanzen säen sich selbst aus, wie Akelei, Glockenblumen oder Klatschmohn. Der Garten verändert sich so ganz von allein und sorgt in jedem Frühjahr für Überraschungen. Ich habe schon Kohlpflanzen ins Staudenbeet gesetzt. Einmal wuchsen mitten im Staudenbeet plötzlich Tomaten. Mir hat das gefallen.

WAMS: Gibt es Gartenmoden?

Ploberger: Wenn ich vor 40 Jahren „Hortensie“ nur gesagt hätte, wäre ich als Spießer verschrien worden. Heute sind das die absoluten In-Pflanzen. Damals waren die Thuja-Hecken modern, heute ist es der Kirschlorbeer. Das hängt auch ein wenig davon ab, was in Gartencentern gerade günstig angeboten wird.

WAMS: Was ist beim Anbau von Gemüse zu beachten?

Ploberger: Ich empfehle am Anfang ein Hochbeet, das schont den Rücken. Auf dieser überschaubaren Fläche lässt sich gut ausprobieren, was funktioniert und was nicht: ein bisschen Salat, duftende Kräuter, Radieschen oder Zucchini. So kann man Erfahrungen sammeln und bei Bedarf auch größere Beete anlegen: einige Reihen Bohnen, Karotten, Kartoffeln, Kohlrabi – alles, was einem schmeckt.

WAMS: Wie gehen Sie mit Maulwurf und Wühlmaus um?

Ploberger: Der Maulwurf stört mich nicht, der soll ruhig graben. Das Problem sind die Wühlmäuse, die ja die Wurzeln der Pflanzen fressen. Rosen, Gehölze und einzelne Bäume habe ich mit schützenden Gitterkörben in den Boden gesetzt. Aber immer wieder kommt es vor, dass Pflanzen absterben, weil die Wühlmäuse da hineingegangen sind. In jedem Paradies gibt es eben eine Schlange – und das ist bei uns die Wühlmaus. Was sie verschmähen, sind Narzissen und alles, was aus dieser großen Pflanzenfamilie kommt, wie etwa auch Schneeglöckchen. Da kann man also im Herbst ohne Bedenken die Zwiebeln in den Boden legen.

Am Komposthaufen

WAMS: Wie gehen Sie gegen die lästigen Nacktschnecken vor?

Ploberger: Ich lasse Laub unter Sträuchern und Hecken liegen. Darin fühlen sich Laufkäfer wohl. Und das sind die besten Schneckenvernichter. Sie fressen die Gelege. Ansonsten streue ich manchmal punktuell biologisches Schneckenkorn. Wenn das alles nicht hilft, bleibt nur das Absammeln. In einem Eimer übergieße ich die Tiere mit kochendem Wasser. Das klingt grausam, aber es ist nach meiner Erfahrung das Einzige, was hilft.

WAMS: Empfehlen Sie einen Komposthaufen?

Ploberger: Unbedingt. Das ist eine bequeme und kostenlose Humusfabrik. Es gibt dafür im Handel für jede Gartengröße verschiedene Kompostbehälter. Sie dürfen aber auf keinen Fall in der prallen Sonne stehen, weil der Inhalt dann schnell austrocknet und die Feuchtigkeit für die Verrottung fehlt. Ein schattiger oder halbschattiger Platz ist ideal. Ich entsorge auf dem Kompost Gartenabfälle und bis auf Fleisch und Knochen auch Lebensmittelreste aus der Küche, Schalen von Kartoffeln, Zwiebeln und Eiern zum Beispiel.

WAMS: Locken Sie so nicht Ratten an? Kammerjäger raten davon ab.

Ploberger: Die Ratten sind auch beim Nachbarn, der keinen Kompost hat. Die Tiere finden in unseren Gärten fast immer etwas zu fressen, sei es Fallobst oder Katzenfutterreste. Der Kammerjäger hat bei uns Boxen mit Rattenködern aufgestellt und kommt alle zwei Wochen, um sie zu kontrollieren. Das muss man einfach machen, und ich empfehle es jedem. Die Rattenproblematik ist ein großes Thema, nicht nur im Garten.

WAMS: Ganz ohne Arbeit geht es im Garten dann ja doch nicht?

Ploberger: Ein Komposthaufen macht am Anfang etwas Arbeit, ja. Aber nach zwei Jahren habe ich dunkle, nach Wald duftende Erde, die ich ohne großen Aufwand verwenden kann. Wichtig ist es, notwendige Arbeiten zum richtigen Zeitpunkt zu machen und sich dabei gegebenenfalls einen Gärtner zur Hilfe zu holen, etwa beim Gehölzschnitt in den Wintermonaten. Wer sich überfordert, hat am Garten keine Freude mehr.

WAMS: Was ist für Sie ein schöner Garten?

Ploberger: Ein Garten ist für mich schön, wenn sich Menschen darin wohlfühlen, die Pflanzen gedeihen und es viele Tiere gibt. Ich habe schon tausende Gärten gesehen, und jeder war anders. Es soll Spaß machen und nicht zu viel Arbeit sein. Lazy Gardening, also faules Gärtnern, trifft meine Philosophie relativ gut.

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