Unfallchirurgen melden 58 Prozent mehr Schwerverletzte durch Stichwaffen
Beinahe jeden Tag wird irgendwo in Deutschland ein Schwerverletzter wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen mit Stichwaffen zur Behandlung in chirurgische Traumazentren eingeliefert. 336 waren es insgesamt im Jahr 2024. Nur zwölf Jahre zuvor waren es noch 212 Fälle – ein Anstieg von 58,8 Prozent.
Das ist das Ergebnis einer Analyse der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), die in der Ausgabe 17 des Deutschen Ärzteblatts veröffentlicht wurde. Dabei wurden 3664 Stichverletzungen im Rahmen von mutmaßlichen gewalttätigen Auseinandersetzungen ausgewertet. Die Daten stammen aus insgesamt 600 deutschen Kliniken.
Ziel der Arbeit ist es, die intensive öffentliche Diskussion über eine vermeintliche Zunahme schwerer Körperverletzungen durch Messerangriffe mit möglichst validen Zahlen sachlich zu stützen. Denn als Erstversorger sind die Chirurgen unmittelbar vor Ort, wenn die realen Opfer in den Kliniken eingeliefert werden.
„Die Versorgung von Stichverletzungen gehört heute deutlich häufiger zu unserem Arbeitsalltag als noch vor zehn Jahren“, sagte Frank Hildebrand, Präsident sowohl der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) als auch der DGU. Zu der Vielzahl der eingesetzten Stichwaffen zählen etwa Messer, Schraubenzieher oder Eispickel.
Die Autoren der Studie betonen, dass nur die wirklich schweren Fälle dokumentiert wurden. So wurden lediglich jene Patienten in die Auswertung einbezogen, die in Lebensgefahr schwebten oder auf einer Intensivstation behandelt werden mussten. Entsprechend sind nicht alle Verletzungen an Armen oder Beinen erfasst – die zwar zu erheblichen Funktionseinschränkungen führen können, aber nicht akut lebensbedrohlich sind.
Insgesamt machten solche schweren Verletzungen einen sehr geringen Anteil der Schwerverletztenversorgung aus, sagte Phillip Störmann, Erstautor der Studie und Mitglied der DGU-Sektion Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung. Dennoch zeigten die Zahlen dieser Studie in den vergangenen Jahren einen „Anstieg der Fallzahlen, vor allem in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte“.
Die Daten der DGU liefern keine Informationen zum Täter- und Opferkreis oder zur Motivation hinter der Tat. Herkunft und sozialer Status der Betroffenen werden ebenfalls nicht im Register erfasst. Trotzdem hebt sich das Profil der eingelieferten Opfer deutlich vom Durchschnitt der Schwerverletzten in den Krankenhäusern ab. Sie sind im Schnitt etwa 31 Jahre jünger als die restlichen Notfallpatienten und in der überwiegenden Mehrheit der Fälle (85,5 Prozent) männlich.
Die zugefügten Stichverletzungen betreffen besonders häufig den Brust- und Bauchraum. Bei 72 Prozent der Betroffenen erfordern diese dringliche operative Maßnahmen in lebenswichtigen Bereichen. Dies stellt die beteiligten Notfallteams vor besondere Herausforderungen. 8,2 Prozent dieser Patienten sterben nach gewaltsamer Stichverletzung im Krankenhaus.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke