Forscher errechnen mit einem Bluttest das Risiko für spätere Demenz
Ein einfacher Bluttest könnte dabei helfen, das Risiko für spätere Gedächtnisstörungen lange vor den ersten Symptomen abzuschätzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die im Fachjournal JAMA veröffentlicht wurde. Laut den Forschern steht ein erhöhter Blutwert des Biomarkers p-tau217 in engem Zusammenhang mit dem Risiko, innerhalb der kommenden Jahre eine kognitive Beeinträchtigung zu entwickeln.
Für die Untersuchung werteten die Forscher Daten von 2684 zunächst kognitiv gesunden Erwachsenen aus. Die Teilnehmer waren im Schnitt knapp 70 Jahre alt und nahmen an sechs Langzeitstudien in Nordamerika, Australien und Japan teil.
Im Verlauf der Studie entwickelten 478 Personen erstmals eine kognitive Beeinträchtigung. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Je höher der Blutwert des Biomarkers p-tau217 zu Beginn der Studie war, desto größer war das spätere Risiko.
Besonders auffällig waren Teilnehmer mit sehr hohen p-tau217-Werten. Ihr Risiko, innerhalb von fünf Jahren eine kognitive Beeinträchtigung zu entwickeln, lag bei 38 Prozent. Zum Vergleich: Bei Teilnehmern mit niedrigen Werten waren es zwölf Prozent. Für einen Zeitraum von zehn Jahren errechneten die Forscher ein Risiko von 78 Prozent, gegenüber 40 Prozent in der Gruppe mit niedrigen Werten. Allerdings weisen sie darauf hin, dass diese Langzeitwerte mit Vorsicht zu interpretieren sind, weil nur wenige Teilnehmer über einen so langen Zeitraum beobachtet wurden.
Der Blutmarker erwies sich auch als aussagekräftig, wenn andere bekannte Risikofaktoren berücksichtigt wurden – etwa Alter, das genetische Risikogen APOE ε4 und Amyloid-Ablagerungen im Gehirn. P-tau217 liefert damit zusätzliche Informationen über das individuelle Risiko.
Die Studie zeigt nicht, dass sich mit dem Bluttest sicher vorhersagen lässt, wer später an Alzheimer erkrankt. Untersucht wurde vielmehr das Risiko, eine kognitive Beeinträchtigung zu entwickeln – etwa eine leichte Gedächtnisstörung oder eine Demenz. Die Ergebnisse erlauben deshalb eine Risikoeinschätzung, aber keine individuelle Prognose.
Den größten Nutzen des Tests sehen die Forscher daher in der Forschung. Er könne helfen, Teilnehmer für Präventionsstudien gezielter auszuwählen oder künftig Menschen mit einem besonders hohen Risiko für neue Therapien zu identifizieren. Für den Einsatz bei gesunden Menschen reichen die Daten nach Einschätzung der Autoren dagegen bisher nicht aus.
Dennoch zeigt die Studie, wie schnell sich die Alzheimer-Forschung entwickelt. Bluttests könnten künftig eine deutlich einfachere Alternative zu aufwendigen PET-Untersuchungen oder Untersuchungen des Nervenwassers werden.
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