Legendärer Naturforscher David Attenborough wird 100 – und arbeitet immer noch
Alles begann mit einem Fossil. Als David Attenborough im Kindesalter die versteinerten Überreste eines urzeitlichen Meeresbewohners fand, weckte das eine lebenslange Faszination für die Natur.
Attenborough selbst ist längst ein Urgestein im britischen Fernsehen. Am 8. Mai feiert der Engländer seinen 100. Geburtstag und blickt auf eine einzigartige Karriere als Naturforscher und Dokumentarfilmer zurück.
Wie kein anderer beherrscht der in Leicester aufgewachsene Sohn eines Universitätsrektors die Kunst, spektakuläre Aufnahmen von Tieren in freier Wildbahn einem staunenden Millionenpublikum an den TV-Bildschirmen zu präsentieren.
Seine ruhige Erzählstimme hat in Großbritannien hohen Wiedererkennungswert. Sie findet etwa regelmäßig in Memes und Comedy-Sketchen Eingang. Zum Beispiel, wenn man das Verhalten eines Politikers ins Lächerliche ziehen will.
Dann werden Aufnahmen desselben mit einer Erzählstimme im Attenborough-Stil unterlegt. Etwa so: „Hier sieht man ein seltenes Exemplar der Gattung soundso“ oder „Erstmals konnte das Balzverhalten des soundso beobachtet werden“. Ein Witz, den jedes Kind sofort versteht.
Queen Elizabeth schlug ihn gleich zweimal zum Ritter
Attenborough wuchs mit zwei Brüdern und zwei aus Nazi-Deutschland geflohenen jüdischen Mädchen auf, die seine Eltern als Pflegekinder aufgenommen hatten.
Sein bereits 2014 gestorbener älterer Bruder Richard machte Karriere als Schauspieler und Regisseur und wurde unter anderem mit seiner Rolle in „Jurassic Park“ bekannt. Da spielte er den Direktor des Dinosaurierparks, John Hammond.
Mit den britischen Royals verband David Attenborough nicht nur, dass er im selben Jahr geboren wurde wie die 2022 verstorbene Queen Elizabeth II., sondern auch eine tiefe Hingabe für den Naturschutz.
Prinz William, Herzogin Kate und Sir David Attenborough unterhalten sich bei der Taufe eines Polarforschungsschiffes im Jahr 2019Vor allem Thronfolger Prinz William, 43, baute eine enge Beziehung zu dem Naturforscher auf und konnte ihn für sein Earthshot-Projekt gewinnen – eine globale Auszeichnung für innovative Lösungen im Klima- und Umweltschutz. Attenborough selbst konnte sich im Laufe seiner Karriere vor Auszeichnungen kaum retten: Queen Elizabeth schlug ihn gleich zweimal zum Ritter. Dutzende Pflanzen und Tiere sind nach ihm benannt.
Zu den zahllosen kuriosen Anekdoten aus seinem Leben gehört, dass in seinem Garten in London der Schädel einer 1879 ermordeten Frau gefunden wurde. Der als „Barnes Mystery“ bekannte Fall war einer der aufsehenerregendsten Morde im viktorianischen London. Die damals etwa 50-jährige Julia Martha Thomas war von ihrer Hausangestellten Kate Webster ermordet worden. Die soll den Körper ihres Opfers gekocht und die Überreste in der Themse entsorgt haben. Einzig der Schädel wurde nie gefunden – bis Attenborough im Jahr 2010 Bauarbeiten in seinem Garten in Auftrag gab.
Seine Naturdokus setzten völlig neue Standards
Seine Fernsehkarriere begann Attenborough bereits in den frühen 1950er-Jahren. Doch der Durchbruch als Naturfilmer kam erst Ende der 70er mit der äußerst erfolgreichen Serie „Life on Earth“, die für das Genre völlig neue Standards setzte – sowohl was die Qualität der Recherche als auch die der Aufnahmen betraf.
„Wir sind von der Natur abhängig für jeden Bissen Nahrung, den wir zu uns nehmen, und für jeden Atemzug“ – so beschrieb Attenborough einmal das Verhältnis des Menschen zur Umwelt. Und das versuchte er seinen Zuschauern mit jedem Film nahezubringen.
Dafür entwickelten er und die Naturkunde-Redaktion der BBC, mit der er häufig zusammenarbeitete, modernste Kameratechniken weiter, drehten dreidimensional und mit Drohnen. Die Sendereihe „Planet Earth II“, eine Koproduktion zwischen BBC und ZDF, wurde ultra-hochauflösend mit sogenannten 4K- und Hochgeschwindigkeitskameras gedreht, wie sie sonst nur für internationale Kinofilme üblich waren.
BBC feiert Urgestein mit Sendungen
Doch ganz makellos blieb seine Bilanz nicht: Die britische Boulevardzeitung „Mirror“ deckte 2011 auf, dass die bewegende Szene zwischen einer Eisbärin und ihren neugeborenen Jungen in der Serie „Eisige Welten“ über die Polarregionen in einem Zoo inszeniert worden war.
Der Filmemacher verteidigte die Entscheidung, die Zuschauer darüber im Unklaren zu lassen: „Es zerstört die Freude der Zuschauer und die Atmosphäre, die Sie herzustellen versuchen.“ Seiner Popularität schadete das nicht und die BBC informierte von da an mit einem Blick hinter die Kulissen, wie Naturfilme gedreht werden. Doch inzwischen ist auch das längst wieder vergessen.
Attenborough arbeitet noch immer. Erst zum Jahreswechsel erschien seine Doku über Wildtiere in London. Die BBC feiert ihr Urgestein mit einer ganzen Reihe von neuen und alten Sendungen. Unter anderem erkundet er in der Reihe „Secret Garden“ die Tierwelt, die sich in britischen Gärten tummelt.
Mit der Sendung „David Attenborough’s 100 Years on Planet Earth“, die in der Royal Albert Hall in London aufgezeichnet wurde, kann die Nation ihren liebsten Naturforscher so feiern, wie sie ihn am besten kennt: bequem vom Sofa aus auf dem TV-Bildschirm.
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