In Deutschland bleibt etwa jedes zehnte Paar ungewollt kinderlos. Genauso oft wie bei Frauen liegt die Ursache bei den Männern. Eine Studie aus Schweden zeigt jetzt: Männer mit sehr wenigen oder schlecht beweglichen Spermien erkranken später häufiger an bestimmten Krebsarten.

Forscher der Universität Lund untersuchten dafür die Daten von mehr als 1,1 Millionen Männern, die zwischen 1994 und 2014 Vater wurden. 14.540 von ihnen konnten nur mithilfe eines speziellen Verfahrens ein Kind zeugen, bei dem ein einzelnes Spermium direkt in eine Eizelle injiziert wird. Diese Methode wird Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) genannt und vor allem bei starken Problemen mit der Spermienqualität eingesetzt. Die Forscher glichen die Daten anschließend mit dem nationalen Krebsregister ab. Die Ergebnisse erschienen in der Europäischen Zeitschrift für Epidemiologie.

Männer, die mithilfe von ICSI Vater geworden waren, erkrankten deutlich häufiger an Darm- und Schilddrüsenkrebs. „Es zeigte sich, dass sie ein fast doppelt so hohes Risiko für Darmkrebs und ein dreimal so hohes Risiko für Schilddrüsenkrebs haben wie Männer, die auf natürlichem Wege Väter werden“, wird Studienautor Michael Kitlinski in einer Mitteilung zitiert. Über alle untersuchten Krebsarten hinweg erkrankten die betroffenen Männer rund 30 Prozent häufiger. Prostata- und Hodenkrebs wurden in der Studie nicht berücksichtigt, da der Zusammenhang mit männlicher Unfruchtbarkeit dort bereits bekannt ist.

Bei Männern, die durch klassische In-vitro-Fertilisation (IVF) Vater wurden, zeigte sich hingegen kein erhöhtes Krebsrisiko. Bei der IVF liegt das Fruchtbarkeitsproblem meist nicht beim Mann, sondern bei der Frau. Das zeigt: Nicht die Fruchtbarkeitsbehandlung selbst erhöht das Risiko, sondern die eingeschränkte Spermienqualität des Mannes.

Frühere Studien zeigten bereits, dass Männer mit schlechter Spermienqualität häufiger an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebsarten erkranken und im Schnitt früher sterben. Männer ohne Spermien im Ejakulat gehören dabei zu den Gruppen mit besonders hohem Risiko, während Männer mit guter Spermienqualität im Durchschnitt länger leben. Deshalb diskutieren Forscher, ob die Fruchtbarkeit als eine Art Frühwarnsignal für die allgemeine Gesundheit dienen kann.

Bisher standen dabei vorwiegend Krebsarten der Fortpflanzungsorgane im Fokus. Die aktuelle Studie zeigt nun, dass auch andere Krebsarten häufiger auftreten können. Warum das so ist, ist bislang unklar. „Eine Theorie ist, dass, wenn auf genetischer Ebene etwas schiefgeht – was sich in einer verminderten Spermienqualität äußern kann – auch andere Systeme im Körper beeinträchtigt werden können“, wird Forscher Angel Elenkov zitiert.

Konkret könnten Defekte in DNA-Reparaturgenen, etwa MLH1 oder MSH2, sowohl mit einer gestörten Spermienproduktion als auch mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs verbunden sein. Auch Studien an Familien zeigen, dass Verwandte von betroffenen Männern teilweise ebenfalls häufiger an Krebs erkranken.

Neben genetischen Faktoren könnte auch der Lebensstil dazu beitragen. Rauchen, Übergewicht, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel stehen sowohl mit einer schlechteren Spermienqualität als auch mit einem erhöhten Krankheitsrisiko in Verbindung. Allerdings lagen der Studie dazu keine Daten vor.

Die Ergebnisse könnten die medizinische Praxis verändern. Zwar ist Krebs bei Männern im Alter von Mitte 30 insgesamt selten – doch künftig könnte geprüft werden, ob Männer mit auffälligen Befunden bei der Fruchtbarkeitsdiagnostik gezielter medizinisch begleitet werden sollten. Diskutiert wird auch, ob Vorsorgeuntersuchungen wie das Darmkrebsscreening in dieser Gruppe früher beginnen sollten.

Da die Hodensonografie ohnehin zur urologischen Untersuchung gehört, plädieren die Forscher dafür, dabei künftig auch die Schilddrüse per Ultraschall zu untersuchen. Weitere Studien sollen nun klären, welche biologischen Mechanismen hinter dem beobachteten Zusammenhang stehen und welche Patientengruppen besonders betroffen sind.

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