Durch diese zwei Fehler wird Ihr Kühlschrank zur Keimschleuder
Zu warm, zu feucht, vergessen – werden Lebensmittel falsch gelagert, verderben sie. Keime machen sich breit, es bildet sich Schimmel. Das kann zur Gesundheitsgefahr werden. Die Erfindung des Kühlschranks hat den Umgang mit Lebensmitteln revolutioniert. Denn bei kühleren Temperaturen vermehren sich Mikroorganismen langsamer als bei Raumtemperatur.
Der Kühlschrank ist so zu einem wichtigen Ort der Lebensmittelsicherheit geworden – theoretisch. Tatsächlich machen viele Nutzer aber zwei Fehler, die den Kühlschrank sogar zur Brutstätte für Keime werden lassen.
Keime gelangen durch die Lebensmittel selbst in den Kühlschrank, über Verpackungen, durch Hautkontakt. Das Gerät kann, das haben Studien gezeigt, belasteter sein als eine Toilette. Ein Forscherteam der Veterinärmedizinischen Universität in Wien hat sich genauer angesehen, wie verkeimt Kühlschränke sind und welche Bakterien sich tatsächlich in ihnen tummeln. Im Rahmen einer Untersuchung haben die Forschenden in 45 Kühlschränken Proben genommen. Es wimmelte geradezu vor Mikroben.
Wo sich im Haushalt am meisten Bakterien tummeln

Kein Kühlschrank ist keimfrei
Kein Kühlschrank ist keimfrei. Wie belastet er allerdings ist, ist maßgeblich von seinem Besitzer abhängig. Während die Wissenschaftler in einem Kühlschrank gerade einmal läppische 26 Mikrobenarten fanden, tummelten sich im am höchsten belasteten Gerät 589 Arten. Erklärt werden solche gravierenden Unterschiede durch zwei simple Dinge: Kühlschranktemperatur und Reinigungsintervall.
2184 – so viele unterschiedliche Arten von Mikroben dokumentierten die Forschenden in den Kühlschränken insgesamt. Die meisten Keime konnten die Wissenschaftler als harmlos einstufen. Sie kommen etwa auf der Haut häufig vor oder gelangen durch bestimmte Lebensmittel wie Käse in den Kühlschrank – oder durch sogenannte Kreuzkontamination, zum Beispiel durch das Hin- und Herräumen von Nahrungsmitteln.
Die Forschenden fanden aber auch Krankheitserreger, und das in gleich 27 von 45 Kühlschränken. Dabei handelte es sich meist um Bacillus cereus, das Lebensmittelvergiftungen verursachen kann, und um Staphylococcus aureus, das gefährliche Infektionen erzeugt. Letzteres Bakterium kann vorwiegend für immungeschwächte Menschen, kleine Kinder und Ältere gefährlich werden.
Ebenfalls bedenklich: In vielen Kühlschränken, vermehrt in älteren Modellen, wurden auch Bakterien gefunden, die resistent gegen mindestens ein Antibiotikum sind. Das zeigt: Antibiotikaresistenzen sind nicht auf klinische Umgebungen beschränkt, sondern können auch im privaten Haushalt vorkommen.
Temperaturen oft zu hoch
Gerade auf Flächen, in Dichtungen und Feuchtstellen fühlen sich Mikroben wohl. Ist ein Kühlschrank zu warm eingestellt, vermehren sich Keime schneller. Unter anderem die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt daher, Kühlschränke unter fünf Grad zu betreiben. Viele Verbraucher tun das aber nicht. In der Untersuchung war beinahe jeder vierte Kühlschrank mit mehr als sieben Grad zu warm. „Ein Bereich, der in der Lebensmittelindustrie und -forschung als ungünstiges Worst-Case-Szenario gilt“, erklärt Evelyne Selberherr, die an der Untersuchung beteiligt war.
In handelsüblichen Kühlschränken gibt es verschiedene Temperaturzonen. Für Standard-Kühlschränke gilt die Faustregel: Je weiter unten das Fach, desto kälter die Temperatur. Denn kalte Luft sinkt ab.
Das ist für die Ordnung im Kühlschrank entscheidend. Haltbares soll im obersten Fach gelagert werden, dazu zählen Käse und Marmelade. Milchprodukte wie Joghurt kommen ins mittlere Fach; und auf die Glasplatte über dem Gemüsefach gehören leicht verderbliche Lebensmittel wie Fisch und Fleisch (mehr zur Kühlschrank-Ordnung lesen Sie hier).
„Die Temperatur bleibt entscheidend für die Lebensmittelsicherheit und die Reduzierung von Lebensmittelabfällen durch längere Haltbarkeit", so das Forscherteam. Allerdings habe sich gezeigt, dass Kühlschränke mit niedriger Temperatur nicht automatisch auch weniger keimbelastet waren. Der Knackpunkt: Grundlegende Hygiene werde, so die Forschenden, häufig vernachlässigt.
Keime ausmerzen
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass regelmäßiges Reinigen und die Handhabung langfristig wahrscheinlich das Keimmilieu im Kühlschrank stärker beeinflussen als eine kurzfristige Temperaturänderung. Ein Aspekt, der in Verbraucherempfehlungen bisher kaum berücksichtigt werde. Statt den Kühlschrank als passiven Lagerort zu betrachten, plädiert das Forscherteam dafür, ihn als aktive Schnittstelle zwischen Mensch, Lebensmitteln und Mikroorganismen zu betrachten.
Empfohlen wird, den Kühlschrank mindestens einmal im Monat gründlich zu reinigen. Leben Kinder, Ältere oder immungeschwächte Menschen im Haushalt, ist eine zweiwöchentliche Reinigung angeraten. Verschmutzungen, die in der Zwischenzeit auftreten, sollten direkt beseitigt werden.
Gereinigt werden Flächen, Dichtungen und Fächer mit mindestens warmem Wasser, etwas Spülmittel oder sanftem Reinigungsmittel. Ist das Reinigungsmittel zu aggressiv, kann das zu Materialschäden führen. Geräteteile, die herausgenommen werden können, sollten separat gereinigt werden: etwa die Gemüseschublade oder die Eierhalterung.
Das Kondenswasser an der Rückwand wird abgewischt, das Abflussloch mit einem Pfeifenreiniger gesäubert. Zum Abschluss alles trockenwischen, um die Wachstumsbedingungen von Keimen einzudämmen.
Quellen: Studie, VetMedUni Wien, BfR
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