Wie Sie eine Hirnhautentzündung frühzeitig bemerken – und sich schützen
Zwei junge Erwachsene sind in Großbritannien an den Folgen einer Hirnhautentzündung gestorben, elf weitere sind schwer erkrankt. Experten sagen gegenüber „Daily Mail“, dass dies der größte Ausbruch seit mindestens einem Jahrzehnt in Großbritannien sei.
Dieser sei möglicherweise zurückzuführen auf eine neue Serogruppe oder auf die rückläufige Anzahl Jugendlicher, die sich einer Meningokokken-Impfung unterziehen. Wegen des Ausbruchs müssen nun Tausende von Studierenden im britischen Canterbury prophylaktisch Antibiotika zu sich nehmen, um weitere Ansteckungen zu verhindern.
Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) gibt es auch in der Schweiz Krankheitsfälle. Jährlich werden rund 50 schwere invasive Meningokokken-Erkrankungen verzeichnet. Meistens sind Kinder unter fünf Jahren oder junge Erwachsene zwischen 15 und 19 Jahren davon betroffen. In Deutschland erkranken nach Behördenangaben jedes Jahr bis zu 20 von 100.000 Personen an einer viralen Meningitis.
Meistens wird eine Hirnhautentzündung, wie Meningitis im Volksmund genannt wird, durch Viren ausgelöst. Dafür kommen verschiedene, weitverbreitete Viren infrage. Namentlich sind das unter anderem Arboviren, die von Mücken und Zecken übertragen werden, das Varizella-Zoster-Virus, das die Windpocken auslöst, das Coronavirus oder Herpes-simplex-Viren, die ein Großteil der Bevölkerung in sich trägt.
Möglich ist auch eine Ansteckung mit Enteroviren, beispielsweise Coxsackie-Viren, die auch für grippale Infekte verantwortlich sind. Eine virale Meningitis heilt im Normalfall nach circa zwei bis drei Wochen von selbst aus und wird meistens durch Schmier- oder Tröpfcheninfektion übertragen.
Sind in selteneren Fällen Bakterien der Auslöser, fallen die Symptome heftiger aus, und Komplikationen und ein schwerer Krankheitsverlauf sind häufiger. In diesem Fall sind es beispielsweise Bakterien wie Borrelien, die von Zecken übertragen werden. Es kommen aber auch Listerien oder Haemophilus-influenzae-Bakterien, die übrigens auch Mittelohrentzündungen auslösen, infrage.
In Canterbury standen Menschen in langen Schlangen, um Antibiotika zu bekommenLetztere existieren bei vielen Menschen meist unbemerkt im Nasen-Rachen-Raum. Meistens sind bei dieser Form der Hirnhautentzündung jedoch sogenannte Meningokokken oder Pneumokokken der Auslöser. Die Bakterien gelangen oft über die Atemwege in den Körper und verbreiten sich dort. Auch eine bakterielle Hirnentzündung ist ansteckend über Tröpfchen- oder Schmierinfektion.
Symptome der Meningitis
Wer Symptome bemerkt, sollte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben, da eine Hirnhautentzündung ein medizinischer Notfall ist. Folgende Symptome können auftreten (Abstufung nach Häufigkeit, beginnend bei klassischen Symptomen):
- Kopfschmerzen, die sich nicht mit Schmerzmittel behandeln lassen
- Steifer Nacken
- Fieber
- Müdigkeit
- Übelkeit und Erbrechen
- Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen
- Verwirrtheit (besonders bei älteren Personen)
- Bewusstlosigkeit
Bei Säuglingen oder Kleinkindern zählen besondere Schläfrigkeit, lautes Schreien, eine geschwollene Fontanelle (weiche Stelle auf der Schädeldecke) und verändertes Ess-, Trink- und allgemeines Verhalten zu den häufigsten Symptomen.
Meningitis: Krankheitsverlauf und Behandlung
Drei bis vier Tage nach der Ansteckung beginnen die ersten Symptome aufzutreten, die Infizierten sind jedoch schon bis zu einer Woche vorher ansteckend. Die ersten Anzeichen treten plötzlich auf und sollten so schnell wie möglich einem Arzt gezeigt werden, damit dieser umgehend die Behandlung anordnen kann. Bei einer bakteriellen Hirnentzündung müssen die Patientinnen starke Antibiotika einnehmen, oft intravenös.
Wenn die Krankheit erst spät entdeckt wird, besteht die Gefahr für Langzeitschäden wie Hörverlust oder kognitive Einschränkungen. Wer frühzeitig handelt, übersteht eine Hirnentzündung heutzutage aufgrund der modernen Medizin meistens jedoch ohne Komplikationen.
Bei einer viralen Hirnhautentzündung liegt der Fokus auf der Linderung der Symptome mittels Schmerzmittel und fiebersenkender Medikamente.
Vorbeugung bei Hirnhautentzündung
Vorsicht ist besser als Nachsicht. Dies trifft wie bei vielen anderen medizinischen Belangen auch hier zu. In der Schweiz wird empfohlen, Kinder gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae Typ B zu impfen. Momentan gibt es keinen Impfstoff, der gegen alle Varianten von Meningokokken schützt. „Aktuell wird die Impfung gegen die Erkrankung durch die Serogruppe B sowie mit einem Vierfach-Impfstoff gegen die Serogruppen A, C, W, Y empfohlen“, heißt es vonseiten BAG. Damit sei ein Großteil der Varianten abgedeckt. Die Meningokokken-Impfung wird neben Kindern auch Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren sowie Menschen mit Immunstörungen nahegelegt.
Hinzu kommt die Impfung gegen Zeckenenzephalitis (FSME), die der Bund ebenfalls vorschlägt für alle Personen ab drei Jahren.
Davon abgesehen sollte man auf die Hygiene achten: Regelmäßiges Händewaschen und Oberflächenreinigen beugt Schmierinfektionen mit allen Krankheitserregern vor. Und bei Verdacht auf eine Hirnhautentzündung sollte man die gleichen Verhaltensregeln befolgen wie bei jedem viralen Infekt und vor allem Abstand halten.
Dieser Artikel erschien zuerst im Schweizer „Tages-Anzeiger“, wie WELT Mitglied der Leading European Newspaper Alliance (LENA).
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