Augenärztin Bettina Hohberger erklärt, warum wir so oft trockene Augen haben, wodurch sie sich vermeiden lassen und welche künstlichen Tränen Betroffene verwenden sollten.

Frau Dr. Hohberger, gerade jetzt im Winter klagen viele Menschen über trockene Augen. Warum ist das so?
Das liegt unter anderem an der trockenen Heizungsluft in den Wohnungen, aber nicht allein daran.

Sondern?
Trockene Augen haben immer mehrere Ursachen. Zum einen können die Tränendrüsen zu wenig Tränenflüssigkeit produzieren. Aber auch die Augenlider spielen oft eine Rolle. An ihren Vorderseiten münden Drüsen, die ein Sekret abgeben, dass den Tränenfilm stabilisiert. Geben sie zu wenig Sekret ab, ist die Zusammensetzung des Tränenfilms verändert und er verdunstet zu schnell. Dadurch wird die Oberfläche des Auges spröder und bekommt winzige Risse.  

© Franziska Männel, Pressestelle UKER

Zur Person

Dr. Dr. Bettina Hohberger ist Oberärztin und Molekularmedizinerin an der Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen. Sie ist Mitglied der Arbeitsgruppe "Long Covid und ME/CFS" an der Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen und Leiterin des Forschungsprojekts "Funktionelle Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren bei Betroffenen mit ME/CFS (FAME)", das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. 

Wie machen sich trockene Augen bemerkbar?
Meist macht sich ein trockenes Auge dadurch bemerkbar, dass das Sehen immer anstrengender wird oder man nicht mehr richtig scharf sieht. Das ist auch gar nicht überraschend, denn der Tränenfilm ist ein wichtiger Teil unseres optischen Systems. Wenn er fehlt, sieht das Auge unscharf und das Sehen wird anstrengender. Der gleiche Effekt tritt auf, wenn wir den ganzen Tag am Computer arbeiten und abends sagen: Die Augen werden müde. Auch dann funktioniert der Tränenfilm nicht mehr richtig. Manche empfinden das dann, als wäre ein Sandkörnchen im Auge.

Wie kann ein Augenarzt trockene Augen erkennen? 
Das Interessante ist, dass Augenärzte trockene Augen oft früher erkennen können als die Betroffenen selbst. Das kann sich an mehreren Stellen im Auge bemerkbar machen. Die Lider können beispielsweise geschwollen oder gerötet sein oder sie haben eine Kruste. Auch die Zusammensetzung des Tränenfilms auf der Hornhaut oder der Bindehaut verändert sich, was sich durch Farbtests sichtbar machen lässt.

Was tun, wenn das Auge ständig juckt oder sich rau anfühlt?
Auf jeden Fall zum Augenarzt gehen. Denn wenn trockene Augen zu lange nicht behandelt werden, kann die Hornhaut kleine Wunden bekommen, die sich entzünden. Und dadurch haben teils schon ganze Krankheitsgeschichten angefangen. Auch muss nicht jedes juckende, sich rau anfühlende Auge ein trockenes Auge sein – manchmal sind auch andere Krankheiten die Ursache. Daher: beim Augenarzt checken lassen. 

Welche Rolle spielt das Lebensalter? 
Ein höheres Lebensalter allein ist nie der Grund für trockene Augen. Eine genetische Komponente wird mitdiskutiert, aber meist kommen mehrere Faktoren zusammen, die sich im Laufe des Lebens aufsummieren. Dazu zählen etwa Medikamente, Infektionen und rheumatische Erkrankungen, aber auch der Lebensstil. Wie genau dies alles zusammenspielt, ist noch nicht vollständig klar. Trockene Augen sind eine Krankheit, an der viel geforscht wird, aber die bis heute noch nicht vollständig verstanden ist. Deshalb lassen sich trockene Augen auch bis heute nicht ursächlich behandeln. 

Tropfen gegen trockene Augen sind ein Miliardenmarkt

Daher greifen immer mehr Menschen zu Augentropfen, um die Symptome zu bekämpfen – ein Milliardenmarkt. Welche würden Sie empfehlen?
Ich würde möglichst solche ohne Konservierungsstoffe und Phosphat nehmen, denn alle Zusatzstoffe können die ohnehin schon gereizte Augenoberfläche weiter stören. Phosphat kann sich bei sehr langer Anwendung auch auf der Augenoberfläche einlagern. Grundsätzlich sollte man die Tropfen nehmen, die man am besten verträgt und die sich gut anwenden lassen, denn dann verwendet man sie auch regelmäßig. Alternativ zu Tropfen gibt es auch Salben und Gele. Da kann es helfen, mehrere Varianten auszuprobieren. Hilft eine befeuchtende Therapie allein nicht aus, kommen auch immunsuppressive Augentropfen infrage, aber die sollten teils aufgrund der Nebenwirkungen nur begrenzt verwendet werden. Hier kann ein Augenarzt weiterhelfen.

Manche Nasentropfen machen abhängig. Kann das auch bei Augentropfen passieren?
Nein. Abschwellende Nasentropfen enthalten den Wirkstoff Xylometazolin, und der macht auf zweierlei Arten abhängig. Zum einen gibt es einen Gewöhnungseffekt. Das heißt, sie wirken irgendwann nur noch in einer höheren Dosis. Zum anderen weiten sich die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut, sobald die Wirkung der Nasentropfen nachlässt und die Nasenschleimhaut schwillt noch stärker an als zuvor. In Augentropfen gibt es keine solchen Stoffe. Wie genau sich die künstlichen Tränen allerdings zusammensetzen, verraten die Hersteller nicht.   

Welche Rolle spielt unser Verhalten, Stichwort Smartphonenutzung?
Langes feinmotorisches Arbeiten oder langes Starren auf einen Bildschirm, egal ob am Computer oder am Handy, bewirkt, dass man weniger blinzelt. Je weniger man blinzelt, desto schlechter wird der Tränenfilm verteilt. Und wenn man dann noch einen krankhaft veränderten Tränenfilm hat, kann man sich gut vorstellen, dass dies die Symptome eines trockenen Auges noch verstärkt. 

Was also tun, wenn man am Bildschirm arbeitet?
Regelmäßige Pausen einlegen und bewusst in die Ferne schauen und dabei blinzeln. Dabei am besten auf etwas Grünes blicken, das scheint besonders gut die Augen zu entspannen. 

Wie lässt sich Augentrockenheit vorbeugen?
Eine richtige, medikamentöse Vorbeugung gibt es noch nicht – wenn wir die wüssten, dann könnten wir trockene Augen auch heilen. Man kann aber bereits einiges selbst tun, um einige Stellschrauben zu bedienen, die trockene Augen günstig beeinflussen: am besten durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichendes Trinken. Aber auch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel wie Omega-3-Fettsäuren und Vitamine und Spurenelemente können sinnvoll sein.  

  • Augentropfen
  • Sehstörung

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke