Eine kurze Textnachricht oder ein ausgiebiger Videoanruf: statt sich in Person zu treffen, sprechen und sehen sich Freunde und Familienmitglieder rein digital. Oft weil die Entfernung zu groß ist, um sich regelmäßig in die Arme schließen zu können. Auch wenn es sich so anfühlen mag – Studienergebnisse zeigen: Anrufe und Textnachrichten ersetzen keinesfalls persönliche Begegnung.

Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „Perspectives on Psychological Science“ veröffentlicht. Forscher der Ohio University werteten dafür mehr als 1000 Studien aus, die sie bei einer Datenbankrecherche gefunden hatten. Alle Studien verglichen die Kommunikation zwischen „persönlichen Begegnungen“ und „computervermittelter Kommunikation“.

„Der Mensch ist evolutionär bedingt ein hochsoziales Wesen“, sagte Brad Bushman, Mitautor der Studie. „Viele Vorteile sozialer Interaktionen gehen jedoch verloren oder werden reduziert, wenn man mit Menschen interagiert, die nicht anwesend sind.“

Das Problem bei der digitalen Form der Kommunikation ist, dass sie „allein stattfindet“, werden die Forscher in einer Mitteilung zitiert. Man steht zwar mit anderen in Verbindung und tauscht sich aus, ist dabei aber allein. Der Nachteil: Menschen sind deutlich weniger im Gespräch engagiert, heißt es in der Studie. Zudem waren auch die positiven emotionalen Reaktionen bei der Kommunikation über Smartphones, Computer und Tablets reduziert.

Ein anschauliches Beispiel dafür sei das Lachen, sagt Bushman: „Wir haben zahlreiche Studien gefunden, die die gesundheitlichen Vorteile lauten Lachens belegen, aber wir konnten keine gesundheitlichen Vorteile beim Schreiben von LOL (laughing out loud) in einer SMS oder einem Social-Media-Beitrag feststellen“. Wie die Studie zeigt, förderten Videoanrufe erwartungsgemäß positive Emotionen stärker als Textnachrichten.

Für schüchterne Menschen ist die Möglichkeit, SMS zu versenden, ein Vorteil. Sie schienen sich dabei wohler zu fühlen, ihre Gedanken in ein Chatfenster eingeben zu können und nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu müssen, heißt es in der Studie. Dieser Mechanismus kann auch ins Negative umschlagen. Forscher gehen davon aus, dass er auch die Hemmschwelle für schädliche Aussagen senkt.

Laut Bushman sind jedoch die Vorteile moderner Kommunikationstechnologie in manchen Situationen unbestreitbar: „Wenn es keine andere Möglichkeit als computervermittelte Kommunikation gibt, ist das sicherlich besser als gar nichts“. Und weiter: „Besteht aber die Möglichkeit eines persönlichen Treffens, ist die Nutzung von Technologie ein unzureichender Ersatz.“

Bei Therapiesitzungen ist das Gegenteil der Fall: Mit seinem Therapeuten oder seiner Therapeutin über ein Videotelefonat zu sprechen, sei sogar vorteilhaft. Patienten seien engagierter und offener, über ihre Probleme zu sprechen, als in einer persönlichen Sitzung.

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